Von Katakomben und Mumien in Klattau (Klatovy)

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Die Jesuiten haben in unserer Nachbarstadt eine Epoche geprägt


An der Kreuzung zweier westböhmischer Handelswege entstand 1260 die königliche Stadt Klattau. Trotz mehrerer vernichtender Brände und den Hussitenkriegen entwickelte sich die Stadt dank Handwerk und Handel zu einer der reichsten Städte Böhmens.

1620 wurde Klattau von kaiserlichen  und bayerischen Truppen besetzt. Plünderungen und Brände führten zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang. Dann kamen 1636 die Jesuiten nach Klatovy. Diese trugen zum Wiederaufbau,  zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt  und zur Bildung der Bewohner maßgeblich bei. Die barocke Bausubstanz der Stadt geht auf diese Ära zurück. Die Jesuiten ließen im Stadtzentrum die „Kirche der Unbefleckten Empfängnis und des Heiligen Ignatius“  bauen, die heute noch zu den Dominanten des Stadtplatzes gehört.  Neben italienischen Baumeistern gestaltete Kilian Ignatz Dientzenhofer das Hauptportal.

 

Klattau ist auch durch eine Sehenswürdigkeit bekannt geworden, nach der man eher in Ägypten suchen würde: durch Mumien. In den Katakomben unter der Jesuitenkirche hat man im 17. und 18. Jahrhundert nicht nur Ordensmitglieder, sondern auch Adelige und verdiente Patrizier aus der  Stadt und der Umgebung bestattet. 1784 erließ dann Kaiser Josef II. ein Verbot der Bestattung in Kirchen. Dank eines besonderen Lüftungssystems und günstiger klimatischer Bedingungen sind die toten Körper  im Laufe der Zeit mumifiziert.  Sie sind nicht konserviert worden, wie etwa in Ägypten.  Vizebürgermeister Václav Chroust erzählt:  “Der Prozess war einfach. Die Verstorbenen wurden in einen Eichensarg gelegt. Dieser war mit Holzspänen und mit Hopfen ausgelegt, der hier damals angebaut wurde.

 

Der Hopfen wirkte angeblich wie ein antiseptisches Material. In der Krypta gab es ein durchdachtes Lüftungssystem, das aus horizontalen und vertikalen Luftschächten und Kanälen bestand. Die Leichen sind im Laufe der Zeit getrocknet und nicht verwest.  Heute wiegen sie noch 8 bis 12 kg. In der Vergangenheit sind viele der ursprünglich 200 Mumien nach einem Umbau im Entlüftungssystem  zerfallen.  Die noch erhaltenen 38 Mumien wurden vor einigen Jahren zum Kulturdenkmal erklärt“.

 

2011 sind die Katakomben unter der Jesuitenkirche und im ehemaligen Gymnasium zu einem einmaligen Museum mit Krypta umgebaut und eingerichtet worden. Auch wenn Klattau über viele historische Sehenswürdigkeiten verfügt, sollen die Katakomben mit den Mumien ein herausragender Anziehungspunkt für die Besucher der Stadt sein. Eine  Ausstellung zeigt die Geschichte der Jesuiten in Klattau. Es sind Urkunden. historische Gegenstände, Modelle und Dokumentarfilme zu sehen. In der Krypta ruhen die Mumien in rot bespannten Särgen mit einem Glasdeckel.  Mit kriminaltechnischen Mitteln hat man Agnes Kunigunde  Prichovická von Prichovice mit ihrem wahrscheinlichen Gesicht und ihren Kleidern nachgebildet.

 

Die Jesuiten in Klattau

Die Jesuiten versuchten strikt ihren religiösen Weg zu gehen nach dem Motto:“Alles zur größeren Ehre Gottes“. Neben den üblichen drei Ordensgelübten - Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam - verpflichteten sich die Ordensangehörigen  durch das vierte Gelübte zum besonderen Gehorsam gegenüber dem Papst. Im Jahre 1636 kamen die Jesuiten nach Klattau und errichteten ein Ordenshaus,  das wenige Jahre später zu einem Jesuitenkolleg erhoben wurde, in dem das Studium der Philosophie und der Theologie absolviert werden konnte. Die Patres kümmerten sich nicht nur um die Katholiken der Umgebung, sie waren auch in den schwach besiedelten Gebieten des Böhmerwaldes tätig. Im Kolleg entstanden ein lateinsprachiges Gymnasium und eine Art Mittelschule mit dem angeschlossenen Seminar St. Josef, in dem arme Studenten Unterkunft fanden. Die Beziehungen zwischen Ordenshaus und Stadt  war nicht immer reibungslos. Den Jesuiten gelang es jedoch, bildende Kunst, Musik und Theater in die Stadt zu bringen. Papst Clemens XIV. musste auf Druck der Herrscherhäuser in Portugal, Spanien, Frankreich und Österreich den  Orden 1773 auflösen. Darauf haben die Jesuiten Klattau verlassen.

Die jesuitische Kultur war stark vom Barock geprägt und sollte durch ihre Gestaltungsformen den Himmel auf Erden vermitteln, was auch in vielen anderen prachtvollen Barockkirchen  der Fall war. Nach dem mittelalterlichen Motto „Pictura laicorum scriptura“ („Bilder sind die Bücher der Laien“)  wurden die Kirchen zu einem bildhaften Lehrbuch  über das Leben Jesu Christi und Marias. Die Bilder erinnerten aber auch an das Leben der  Heiligen. In markanten Bauwerken mit  reich verzierten Innenräumen waren Bibliothek,  Refektoriun (Speisesaal) und Klosterkapitel (Versammlungsraum)  untergebracht. Das Leben der  Ordensleute dagegen hat sich weit weg von der Außenwelt abgespielt. Sie wohnten in einfachen Zellen, nahmen gemeinsam die Mahlzeiten ein und beteten zusammen. Der Tag begann um vier Uhr früh und endete um neun Uhr abends. Die Vor- und Nachmittagsstunden  wurden mit dem Unterricht in den Schulen, Beichtsitzen,  geistlichen Gesprächen oder mit Krankenbesuchen verbracht. Wie in allen böhmischen Ordenshäusern haben die Jesuiten auch in Klattau große Aufmerksamkeit der Musik gewidmet. Sie war mit ihren geistlichen Volksliedern und der Musikbegleitung von Aufführungen ein wichtiges Hilfsmittel bei der Rekatholisierung des Landes.

Als Mitte des 17. Jahrhunderts in Neukirchen b. Hl.Bl. ein Kloster entstand, bewarben sich neben Benediktinern auch die Jesuiten aus Klattau. Den Zuschlag aber erhielten die Franziskaner aus Cham. Von diesem armen Orden  hatten die Brauereien keine Konkurrenz von einer Klosterbrauerei zu erwarten. Heute ist Klatovy (23 000 Einwohner) eine Partnerstadt von Cham (18 000 Einwohner).



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