16 Jah­re er­folg­rei­che Kul­tur­pfle­ge am Rindls­chach­ten

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Zum Schutz von sel­te­nen Grä­sern und Fal­tern - 16 Jah­re er­folg­rei­che Kul­tur­pfle­ge am Rindls­chach­ten – Pa­ten­schaft des Wald-Ver­eins

Still und einsam ist es an sonnigen Herbsttagen auf den Schachten zwischen Rachel und Großem Falkenstein im Landkreis Regen. Leise streicht der Wind über kniehohes Heidekraut und raschelt in den Blättern der uralten, knorrigen Buchen, die vereinzelt auf den weiten Grasflächen stehen.

Noch sind die braunen Blütenstände des Fingerhutes zu sehen, und in einer Senke steht eine kleine Kolonie des Schwalbenwurz-Enzians. Er ist hier eigentlich ein Fremder. Den heimischen Ungarischen Enzian gibt es auf dem benachbarten Ruckowitzschachten.

Heute halten schon am Morgen Fahrzeuge am Waldrand, Männer und Frauen steigen durch das nasse, kniehohe Heidekraut und bald beginnen Motorsägen zu kreischen. Schachtenpflege am Rindlschachten in 1 140 Metern Höhe ist angesagt: Die sieben Männer und zwei Frauen gehören zur Sektion Mitterfels des Bayerischen Wald-Vereins (BWV) und kämpfen gegen die Verbuschung der alten Waldwiese an.

Teils schon vor 400 Jahren von Bauern angelegt

Die Schachten am Großen Falkenstein sind uralte Kulturflächen. Die ersten Schachten wurden schon vor etwa 400 Jahren von Bauern angelegt. In den Sommermonaten trieb man das Vieh in den Wäldern zur Weide und rodete auf der Höhe den Wald als nächtlichen Ruhe- und Sammelplatz für Hirt und Herde. Der Hüter fand Unterkunft in einer einfachen Holzhütte. Der Rindlschachten, so genannt, weil hier nur Jungrinder „Rindl“, weideten, ist mit 4,1 Hektar einer der kleineren Schachten und gehörte zu Lindberg, Gemeinde Zwiesel. Die 19 Bauernhöfe besaßen das verbriefte Recht, jeweils vier Rinder aufzutreiben. Bis zu 76 Jungrinder beweideten bis 1960 den Wald. Heute gehören die Schachten der Bayerischen Nationalparkverwaltung, die es sich zum Anliegen gemacht hat, die alten Kulturflächen zu erhalten. Ohne Beweidung holt sich die Natur diese Flächen zurück. Auch der Mitterfelser Wald-Vereinsgruppe liegt es am Herzen, die Verbuschung des Rindlschachtens zu stoppen. Eine Patenschaft wurde übernommen, und zum 16. Mal rückt man Jungfichten und Ebereschen, die Waldrand und Wiese bevölkern, energisch zu Leibe. Hauptorganisator der Aktion ist der Naturschutzwart Otmar Kernbichl, unterstützt von Landschafts- und Naturführer Martin Graf, Vorsitzender der BWV-Gruppe aus Mitterfels. Förster Jochen Linner von der Nationalparkverwaltung weist die Naturfreunde ein, zeigt auf die Heidelbeersträucher, die wie dunkle Inseln auf der Fläche stehen. Sie bilden Dominanzbestände, die heimische Gräser unterdrücken und verdrängen. Deshalb halten die Männer mit ihren Vielschneidern, einer Art Motorsense, die Ränder der Heidelbeerbüsche kurz. Die regelmäßige Schachtenpflege macht sich bemerkbar, meint Linnner.


Honiggras, Binsen, Bärwurz, Blutwurz

Die Bestände erholen sich. Die Vegetation ist einzigartig auf den Schachten: Hier wachsen Borst- und Honiggras, Binsen und Seggenarten, Bärwurz, Blutwurz und Seegras. Ampfer beispielsweise ist Lebensraum für die Raupen des stark gefährdeten Kleinen Ampfer-Feuerfalters. Besonders schön blüht im Frühjahr das Harzer Labkraut, erzählt Linner. Im Jahr 1963 wurde die Schachtenbeweidung aufgegeben. Ohne den für die Weidenutzung typischen Einfluss von Verbiss und Tritt geht jedoch langfristig die charakteristische Vegetation verloren, so Linner. Deshalb wurde jetzt vom Nationalpark wieder Weidevieh auf dem Ruckowitzschachten aufgetrieben, Rotes Höhenvieh, das zu den bedrohten Haustierrassen zählt. Es wurde historisch im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet eingesetzt, ist robust und genügsam. Am Waldrand des Rindlschachten stand einst die Hütte des Hirten. Ein Marterl erinnert an den letzten Waldhirten Max Winter, der 1986 starb, und die letzten sechs weideberechtigten Bauern aus Lindberg. Der Hirt führte ein einsames Leben auf dem Schachten, Gesellschaft leisteten ihm nur sein Hund und eine Ziege. Neben dem Heidelbeerkraut geht es auch Randbäumen an den Kragen. Sie werden mit der Baumsäge gefällt, die Rinde wird geschlitzt oder „geschepst“, abgerindet. Dann hat der Borkenkäfer keine Chance und im Totholz siedeln sich neue Lebensarten an. Stehen bleiben dürfen nur vereinzelte Buchengruppen. Aus ihnen sollen später Schachtenbäume werden. Ganz nach dem Vorbild der früheren Schachten, als nur schattenspendende Einzelbäume geduldet wurden. Heute nötigen diese uralten Baumriesen in ihrer bizarren Schönheit dem Betrachter Ehrfurcht und Bewunderung ab.


Erst nach Stunden ist alles gestutzt

Nach stundenlanger, schweißtreibender Arbeit, denn die Sonne brennt am Mittag noch mächtig vom dunkelblauen Himmel, betrachten die Mitterfelser Naturfreunde zufrieden ihr Werk: Die Heidelbeersträucher sind gestutzt, die Gräser wiegen sich im Herbstwind und es herrscht wieder Stille auf dem Schachten. Zum Abschluss gibt es ein großes Dankeschön an alle freiwilligen Helfer und eine Brotzeit beim nahe gelegenen Schachtenhaus, gestiftet von den Bayerwaldsektionen Regen und Zwiesel.

 

Bericht und Bilder : erö (SR-Tagblatt, 24.9.2018)

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