"In Memoriam" Sigurd Gall

Geistreich und humorvoll - Mitterfelser Heimatforscher und Dialektexperte Sigurd Gall ist gestorben

 

Seine Freunde und die Mitautoren und Leser des Mitterfelser Magazins schätzten ihn als engagierten Heimatforscher, kompetenten Dialektexperten sowie als Verfasser geistreicher und humorvoller Geschichten und Glossen. Der kürzlich verstorbene Haselbacher Sigurd Gall hinterlässt auch im kulturellen Leben von Mitterfels eine deutliche Lücke.

Für Sigurd Gall waren Mitterfels und Haselbach (sein Haus in Uttendorf gehörte zur Gemeinde Haselbach) nicht erst seit dem Umzug 1990 „da Mittelpunkt der Wejt“, verbrachte er doch bereits in seiner Kindheit kriegsbedingt geraume Zeit bei seinen Großeltern in Uttendorf. Die Bindung zu der Heimat seiner Jugend war nachhaltig, hier hatte er seine Wurzeln.

Familie Gall zog bald nach Straubing

Die Wiege von Sigurd Gall stand in der oberfränkischen Kleinstadt Selb. Dort wurde er im Februar 1935 als erster von drei Söhnen des Amtsgerichtsrats Joseph Gall und seiner Ehefrau Elisabeth geboren. Bereits in seinem dritten Lebensjahr siedelte die Familie Gall vom Fichtelgebirge nach Straubing über, wohin der Vater ans Amtsgericht versetzt worden war.

Hier verbrachte Sigurd Gall auch seine Kindheit und Jugend und legte 1954 am Humanistischen Gymnasium die Reifeprüfung ab, um sich anschließend an der Straubinger Lehrerbildungsanstalt für das Lehramt an Volksschulen zu qualifizieren. Nach dem zweiten Staatsexamen heiratete er 1959 die Lehrerin Maria Jaschke, die 1945 ihre schlesische Heimat verloren hatte. In der Ehe wurden zwei Söhne geboren. Nach Dienstjahren in Altenmarkt bei Osterhofen und Buchhofen, wo Sigurd Gall als engagierter und vielseitig interessierter Schulleiter wirkte, siedelte die Familie 1990 nach Uttendorf/Gemeinde Haselbach um.

Heimatkundliche Forschungen

Im Ruhestand widmete er sich passioniert seinen Lieblingsbeschäftigungen, zuvorderst der heimatkundlichen Forschung, für die sich mit der Gründung des Mitterfelser Arbeitskreises Heimatgeschichte ein weites Betätigungsfeld auftat, so Professor Dr. Hausberger in seinem Nachruf beim Requiem.

Als Gründungsmitglied des Arbeitskreises veröffentlichte Sigurd Gall im „Mitterfelser Magazin“ die Ergebnisse vieler seiner fundierten heimatgeschichtlichen Forschungsarbeiten zu Themen wie Ortsnamenskunde oder Geschichte der Mühlen an der Menach. In Sigurd Galls zahlreichen Erzählungen und mit viel Humor niedergeschriebenen Erinnerungen war die Verwurzelung zu seiner Heimat zu spüren. In der Mühlhiasl-Forschung hat er manche Fantastereien zurechtrücken können.

Dass das Bairische kein Manko ist, sondern eine kulturelle Bereicherung darstellt, hat Sigurd Gall wie kaum ein anderer seinen Zuhörern und Lesern immer wieder vermitteln können. Er war gefragt als Experte seiner bairischen Muttersprache, er kannte noch viele Ausdrücke, die verloren zu gehen drohten, und publizierte sie im „Mitterfelser Magazin“.

Noch zwei Erzählungen im Juli-Heft

In der neuen, im Juli erscheinenden Ausgabe werden mit zwei Erzählungen die letzten Arbeiten unter dem Namen Sigurd Gall erscheinen.

Das letzte Heft, das im Juli 2020 erschien, enthält drei Beiträge aus seiner Feder, darunter einen mit einem Titel, der für sich spricht: „Was mei Dorf für mi is“, wobei das Dorf, das dem heimatkundlichen Autor als „Mittelpunkt der Wejt“ erscheinen will, Mitterfels heißt. „Vergelt’s Gott, Sigurd“, sagen der Freundeskreis des AK Mitterfels und die Marktgemeinde Mitterfels. Elisabeth Röhn