Neuer Verein zur Wildrettung

Rehkitze mit Drohne retten – Informationsstand beim Christkindlmarkt

Mitterfels/Haselbach. (erö) Seit dem Sommer gibt es einen ungewöhnlichen, neuen Verein im Landkreis, die Rehkitzrettung Mitterfels-Haselbach. Neun Männer haben sich zusammengetan und retten junge Rehkitze aus Wiesen, die in Kürze gemäht werden sollen.

Immer wieder geschieht es, dass Rehkitze, die nach der Geburt von ihren Müttern, den Rehgeißen, in Wiesen abgelegt werden, unter die Messer der großen Mäher geraten und ein schlimmes Ende finden. „Ein Kitz ist oft so gut versteckt, dass man es übersieht, selbst wenn man direkt daran vorbeigeht“, sagt Elias Riedl, einer der Initiatoren des Vereins. Kitzrettung sei auch im Sinne der Landwirte, denn ein totes Rehkitz im Gras oder Heu sei unverträglich für das Milchvieh.

Tierschutz fördern

Ziel des Vereins ist die Förderung des Tierschutzes. Der Verein arbeitet uneigennützig und verfolgt keinerlei eigenwirtschaftliche Zwecke. Jetzt wenden sich die Verantwortlichen erstmals an die Öffentlichkeit und werden auch beim Mitterfelser Christkindlmarkt am 1. Adventssonntag, 28. November, mit einem Infostand vertreten sein.

Initiatoren sind Elias Riedl, Medizinstudent in Regensburg, und Adrian Riedl, Marketingspezialist. Elias hat den Vereinsvorsitz übernommen und fungiert unter anderem als Drohnenpilot, Adrian kümmert sich um das Management und die Öffentlichkeitsarbeit, als Dritter im Bunde und stellvertretender Vorsitzender ist Tobias Fischer von Anfang an dabei.

Hobby vom Vater und Opa

Elias Riedl hat die Freude an der Natur und Jagd von Großvater und Vater übernommen in dem Bewusstsein, dass es heute bei der Jagd weniger um das Beutemachen als um die Hege und Pflege des Wildes geht. Schon vor der Vereinsgründung hat sich Elias, zusammen mit anderen Freiwilligen, die Rettung von Rehkitzen auf die Fahne geschrieben. Sie haben sich bei Landwirten nach dem Mähtermin erkundigt, sind früh aufgestanden und haben in einer Menschenkette nach abgelegten Rehkitzen Ausschau gehalten. Dabei wurde ihnen bewusst, dass trotz großer Aufmerksamkeit das ein oder andere Rehkitz übersehen wurde. Ein weiteres Problem ergab sich durch die oft zeitgleiche Mahd mehrerer Wiesen und den großen Zeitaufwand.

Abhilfe schaffen nun Drohnen mit einer Wärmebildkamera. Sie zeigen genau, wo sich im Gras ein kleines Lebewesen versteckt hat, erklären Elias und Adrian. Der Platz wird mit einem Stock und einer Fahne gekennzeichnet und dann wird das Kitz vorsichtig, mit Einmalhandschuhen und eingewickelt in eine Handvoll Gras, aus der Wiese getragen. Als Vorsichtsmaßnahme legen die Kitzretter einen Korb über das Tier, damit es nicht wieder in sein Versteck zurückkehrt. „Den Korb kann die Ricke leicht beiseiteschieben und dann bringt sie ihr Kitz in Sicherheit“, erklärt Elias.

Er hat zunächst privat, auf eigene Kosten, eine Drohne eingesetzt und im ersten Jahr gute Erfahrungen damit gemacht. Inzwischen besitzt der Verein zwei Drohnen mit entsprechend ausgebildeten Piloten. Denn die Führung von Drohnen untersteht dem Luftrecht, ein Führerschein muss gemacht werden. Der Verein hat inzwischen über 18 Mitglieder, auch passive Fördermitglieder, die mithelfen, die laufenden Kosten für Drohnen, Führerschein oder Versicherung zu tragen, um die aufwendige Suche zu finanzieren. Mitglieder und Helfer sind daher immer herzlich willkommen.

Flyer und Internetseite

Adrian Riedl, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit im Verein, hat Flyer und eine hochmoderne Internetseite entwickelt, um den Verein nach außen sichtbar zu machen: „Wir wollen wahrgenommen werden, um als Vorbild für andere Reviere und Hegegemeinschaften zu fungieren.“ Die Suche in den frühen Morgenstunden sei spannend und mache Spaß, vor allem, wenn sie erfolgreich ist, betonen die jungen Männer. Zusammen mit den anderen Helfern sei die Belastung auf mehrere Schultern verteilt worden: einer bediene die Drohne, ein weiterer verfolge die Aktion auf dem Bildschirm und ein Dritter hole das Kitz aus dem Gras. Die Rettung der Rehkitze konzentriert sich auf die Monate April bis Juni, weitere Einsätze mit den Drohnen ergeben sich bei Verkehrsunfällen mit Wild oder der Nachsuche nach krankem Wild.

Erfreulich sei auch, dass sie mit ihrer Kitzrettung bei den Bauern bisher überwiegend auf offene Ohren stoßen, sagt Elias Riedl. Einen Wunsch haben die Kitzretter: Sie möchten nicht erst in letzter Minute, sondern möglichst frühzeitig, ein bis zwei Tage im Voraus, von der geplanten Mahd erfahren, damit die Suche erfolgreich wird.

Information im Internet

Unter www.rehkitzrettung-ev.de findet man weitere Informationen zum Verein, zur Mitgliedschaft oder zu Spenden- und Fördermöglichkeiten

Bericht und Bild : erö (SR-Tagblatt, 10.11.2021)