Wie soziale Einrichtungen mit den Regelungen der Corona-Zeit fertig werden

Schnell wieder an den Arbeitsplatz

Mitterfels/Haselbach. Die Regelungen und Einschränkungen durch die Corona-Pandemie haben auch den Alltag in den sozialen Einrichtungen von Mitterfels und Haselbach – wie die Bruder-Konrad-Werkstätte (BKW) der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg und das Wohnheim Sankt Hildegard – erheblich verändert.

„Die Auflagen durch die Allgemeinverfügungen der bayerischen Staatsministerien für Familie, Arbeit und Soziales und für Gesundheit und Pflege erzeugen erhebliche Einschnitte in den Arbeitsalltag“, erklärt Manfred Schmidt, Einrichtungsleiter der BKW. Die Hygiene- und Schutzkonzepte führten zu anderen Abläufen in der Werkstatt, und bei hohem Einsatz aller Mitarbeiter mit und ohne Behinderung gelinge es ausgesprochen gut, die Maßnahmen umzusetzen. Schon vor der Rückkehr der Mitarbeiter mit Behinderung in den Betrieb sei das erste Hygiene- und Schutzkonzept entwickelt worden und werde regelmäßig den behördlichen Anordnungen angepasst. „Dabei fließen auch interne Verbesserungen regelmäßig in das Konzept mit ein“, so Schmidt. Doch grundsätzlich bringe die Pandemie einen erheblichen Mehraufwand mit sich.

Maskenpflicht wird durchgehend eingehalten

Derzeit dürfen keine Besuchergruppen in die Werkstätte. Nur Dienstleister, die für die Aufrechterhaltung des Betriebes unverzichtbar sind, dürfen das Haus betreten. Außerdem werde die Maskenpflicht im Bus, auf dem Werksgelände, in den Häusern und am Arbeitsplatz eingehalten, betont Schmidt.

Die Aufteilung in feste Arbeitsgruppen habe zur Folge, dass alle Pausen versetzt stattfinden. Die Mittagspause sei verkürzt worden, dafür finde am Nachmittag noch einmal eine 15-minütige Pause statt. Großer Wert werde auf die Handdesinfektion und das Desinfizieren der Arbeitsbereiche gelegt. Im Speisesaal, der vor der Pandemie für 140 Personen Platz bot, stehen derzeit nur noch 39 Plätze zur Verfügung.

Es musste zwar keine Kurzarbeit angeordnet werden, auch konnte das gesamte Personal durchgehend beschäftigt werden, aber in der Produktion gab es erhebliche Ausfälle. Mitarbeiter mit Behinderung durften ab Mitte März die Werkstätte nicht mehr betreten, so wurde das gesamte Personal in die Wäscherei versetzt. Sie bietet ihren Service ausschließlich Krankenhäusern und Seniorenheimen an, die systemrelevant sind und regelmäßig mit Wäsche beliefert werden müssen. Die Wäsche von Kliniken, die zu „Corona-Krankenhäusern“ umstrukturiert wurden, verlangt eine besondere Bearbeitung. Das verursacht mehr Zeit und Kosten. In den Monaten März und April wurde die Wäsche weniger, der Arbeitsaufwand stieg, so gab es trotz Auslastung einen deutlichen Umsatzrückgang. Ebenso durch Anlaufschwierigkeiten nach der Lockerung der Maßnahmen und die Schließung von KJF-eigenen Schulen. „Bis heute herrscht eine große Verunsicherung unter unseren Mitarbeitern, viele Fragen werden gestellt, auch über die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Doch konnten für alle Mitarbeiter mit Behinderung die Löhne auch während der Abwesenheit bezahlt werden, betont Schmidt.

Die Menschen mit Behinderung wollten schnell wieder zur Arbeit kommen. Sie hatten Angst, die Werkstätten könnten wieder geschlossen werden und sie müssten wieder sechs bis acht Wochen zu Hause oder in der Wohngruppe bleiben. Seit August arbeiten von 185 Menschen mit Behinderung wieder 183 in der Einrichtung. Dieser Arbeitsaufwand in Kombination mit der Unsicherheit im Bezug auf steigende Infektionszahlen und ihre Auswirkungen auf die Werkstätte bringen auch eine erhebliche psychische Belastung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit sich. „Jeder hofft, dass die Pandemie bald endet.“

Das gilt auch für die Bewohner und Mitarbeiter des Wohnheims Sankt Hildegard in Haselbach und ihre Leiterin Karin Aumer, ebenfalls eine Einrichtung der KJF Regensburg. Sie wurde 1990 gegründet, ihre Bewohner kommen alle aus dem Landkreis Straubing-Bogen und arbeiten überwiegend in der KJF-Werkstätte Bruder Konrad in Mitterfels. „Auch wir sind massiv von den Beschränkungen betroffen“, berichtet Karin Aumer. Zeitweise seien Heimfahrten oder Pendeln nicht möglich gewesen. Doch inzwischen seien die Hygienemaßnahmen zum Alltag geworden, die Maskenpflicht funktioniere gut. „Es ist erstaunlich, wie sorgfältig und gewissenhaft unsere Bewohner die Maskenpflicht einhalten“, meint Aumer. Für Besuche gibt es ein Besuchszimmer, wo die Vorschriften eingehalten werden können, der Kontakt mit Angehörigen per Videochats macht unseren Bewohnern viel Spaß. Im Sommer wurden oft Ausflüge gemacht, auch, um unsere Schützlinge zur Normalität zurückzubringen und den Kontakt in den Gruppen zu fördern.

Enorme Belastung für die Mitarbeiter

Für die Mitarbeiter sei diese Zeit eine enorme Belastung, betont Aumer. „Wir haben ständig Sorge, das Virus in die Gruppen zu tragen und können nicht viel mehr machen als dafür zu sorgen, dass unsere Bewohner gut beschäftigt sind.“ Der Dienst sei nicht mehr planbar, doch sei der Zusammenhalt zwischen den Mitarbeitern in den verschiedenen KJF-Einrichtungen sehr gut. Nun stehe die Sorge im Raum, dass nach Besuchen daheim über Weihnachten und vielen Kontakten die Ansteckungsgefahr wieder steigt.

Doch der Optimismus siege bei Bewohnern und Betreuungsteam, sagt Aumer: „Corona stand bei uns schon öfter vor der Tür, aber wir hatten das Glück, dass es bis jetzt noch draußen geblieben ist.“

Elisabeth Röhn, SR-Tagblatt, 21.12.2020