„Kinderhilfe Nepal“ kann noch nicht helfen

In Warteposition -  Freiwillige der „Kinderhilfe Nepal“ können noch nicht helfen – Geld für Schutzkleidung

 Mitterfels. (hab) In Corona-Zeiten verscheuchten Kinder in Europa mit bunt bemalten Steinen für Augenblicke die Angst vor Covid-19. Fotos davon gelangten aus Ostbayern in den Himalaya-Staat Nepal und in Zeiten von covidbedingter Ausgangssperre sind seither die von dortigen Schulkindern nachgemachten bunten Steine in Projektdörfern nicht mehr wegzudenken.

Die sechs Dörfer mit 288 Familien in der Region Itahari im Südosten Nepals gehören zu den Hauptprojekten des Vereins „Kinderhilfe Nepal“ in Mitterfels, der sich seit 1998 der Ärmsten der Armen annimmt und zwei Kinderheime in Kathmandu unterstützt, Kinderpatenschaften ermöglicht und Bildungsprojekte mit regelmäßigen Spenden verwirklicht.

Die drei Jahre des Wirkens des „Kinderhilfe Nepal“ in Itahari gemeinsam mit den CEP haben deutlich eine positive Beeinflussung des Lebens der Familien gezeigt, sodass das Projekt sich etabliert hat.

Entwicklung beeinträchtigt

Leider ist diese positive Entwicklung durch die Corona-Pandemie aufgrund struktureller Änderungen innerhalb des Projekts in Gefahr. Die vier Abiturienten der „Kinderhilfe Nepal“, die ab Oktober als Praktikanten in Itahari mitarbeiten wollen, stehen zu Hause in der Warteschleife. Die nicht abschätzbare Lage vor Ort sowie sowohl hygienische wie therapeutische Voraussetzungen bei einer Infektion lassen keinen Einsatz zu. Aktuell besteht der „Lockdown“ fort und die Zahl der Infektionen ist immer noch am Steigen. In der Region um die Projektorte im Südosten Nepals nimmt das Problem mit illegalen Grenzübertritten zu, da auf der indischen Seite der Grenze Tausende Muslime, denen nach einer sunnitisch-islamischen Konferenz im März in Delhi der Ausbruch der Covid-19-Pandemie angelastet wird, in Camps ausharren. Für die indische Regierung ist dies ein willkommener Anlass, die Verfolgung der Muslime zu verstärken. Diese erreichen nun auf der Flucht mittellos die nepalesischen Grenzdörfer um Itahari und sind zunehmend für die gastfreundlichen Nepali eine hohe Ansteckungsgefahr mit Corona.

In den ersten Wochen des „Lockdowns“ mussten Gesundheitsstationen geschlossen werden und es galt eine totale Ausgangssperre. Die Mitarbeiter versuchten trotz Angst vor Ansteckung eine Erlaubnis zur Öffnung der Gesundheitseinrichtungen durchzusetzen, was unumgänglich ist. Die Polizei setzt Stöcke gegen Menschen ein, die Ausgangssperren verletzen. Der Verein „Kinderhilfe Nepal“ kann im Moment nur finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung von Schutzkleidung, Masken und Handschuhen leisten, die vor Ort den lokalen Mitarbeitern des CEP oder auch der Gesundheitsstationen dienen, die sich sowohl um Einheimische als auch um Flüchtlinge kümmern.

Für die CEP und die Volunteers der „Kinderhilfe Nepal“ ist die Arbeit vorerst eingeschränkt. Sobald aber die nötige Sicherheit gegeben ist, soll das bisher so erfolgreiche Bildungsprojekt wieder aufgenommen werden. Trotzdem bleibt die Angst vor einem Rückfall in das alte Schema.

Zu den kleinen Erfolgen des Teams vor Orts gehört zurzeit, dass man trotz „Lockdown“ die Bewilligung erhalten hat, dass die Familien in den Dörfern von den auch dort lebenden Mitarbeitern besucht werden, damit diese mit notwendigen Medikamenten, Masken, Handschuhen, Desinfektionsmittel und diversen benötigten Artikeln versorgt werden. Leider musste man dabei feststellen, dass es an der Grundversorgung mit Lebensmitteln aus Geldmangel fehlt.

Sonderaktionen unterstützt

Der „Verein für Kinderhilfe Nepal“ in Mitterfels hat sich nun entschlossen, auch hier einzugreifen. Diese Sonderaktionen hat der Verein mit 4 000 Euro bezuschusst. Das Teilzeit-Mitarbeiter-Team wird durch den Verein mit 60 Prozent des normalen Gehaltes weiterbezahlt und für das Manager–Betreuer-Team in Vollzeit wird zu 100 Prozent weiterbezahlt, da deren Betreuung und Koordination in erheblich aufwendigem Umfang online durchgeführt werden muss.

Es gelingt zwar schon wieder, dass das Team bei den ersten Besuchen seit dem „Lockdown“ das Kernthema des Vereins, nämlich die Betreuung von Hausaufgaben, aufgreifen kann. Da die Schulen nicht in absehbarer Zeit öffnen, wird auf das Team hier in nächster Zeit sicher sehr viel Arbeit zukommen.

Spenden an

Kinderhilfe-Nepal Mitterfels, Bankverbindung: Sparkasse Straubing-Bogen, IBAN: DE68 742 500 00 0570253310, BIC: BYLADEM1SRG.


Die drei wesentlichen Stützen vor Ort

Eine Stütze vor Ort sind dabei die vier Praktikanten, meist aus der Region Ostbayern, die in der Regel für die Wintermonate Oktober bis März nach Itahari vermittelt werden, um dort in enger Zusammenarbeit mit dem lokalen Team und dem Betreuerteam in Bayern zusammenzuarbeiten.

Das Projekt ist getragen von einer registrierten und von der Regierung kontrollierten Nepal-NGO mit 25 Nepali-Mitarbeitern in Teilzeit, bestehend aus drei Säulen. Eine davon sind Lehrer für die Hausaufgabenbetreuung sowie die Vermittlung von Basics, da es an den Regierungsschulen erfahrungsgemäß an der Weitergabe von Stoff mangelt. Eine weitere Stütze bilden School Guides, die den Schulbesuch kontrollieren, da es leider nicht selbstverständlich ist, dass die Kinder von den Eltern in die Schule geschickt werden, da diese nach Ansicht der Eltern bei der Arbeit als Taglöhner helfen könnten. Als dritte Säule gelten die CEP, die „Community Empowering People“, die für die Betreuung der Familien zuständig sind und hier vor allem über die Aufklärung der Frauen und Mädchen zu einer Verbesserung der sozialen und hygienischen Bedingungen betragen.

Drei Personen, ein Gesamtmanager, ein CEP-Betreuer sowie ein Lehrer, der die Betreuung des Schulungsteams übernimmt, sind dabei in Vollzeit angestellt.


Ziel und Tagesablauf der Freiwilligen

Hauptziel des Projekts in Nepal ist es, den Kindern aus der Kaste der unberührbaren Musahar-Tagelöhner eine Zukunftsperspektive durch Bildung zu ermöglichen. Die Aufgaben der Volunteers aus Bayern liegen darin, den Kindern Spaß am Unterricht zu vermitteln, sie zu regelmäßigem Schulbesuch zu motivieren und ihnen einen strukturierten Tagesablauf anzutrainieren.

Morgens wird mit nepalesischen Mitarbeitern durch die Community gegangen, um die Kinder abzuholen und in die Schule zu begleiten. Hier konnte eine morgendliche Hygieneerziehung mit Waschen, Zähneputzen und Haarekämmen in den Alltag der Kinder integriert werden. Das Unterrichten der Kinder erfolgt unter anderem in der Schule, vor allem aber im Nachhilfeunterricht. Durch freiwillige Helfer und die deutschen Praktikanten der „Kinderhilfe Nepal“ sollen sie so effektiv wie möglich zu einem Schulabschluss geführt werden.

Eine weitere Aufgabe der Freiwilligen ist die Zusammenarbeit mit den 28 Mitarbeitern der CEP. Sie besuchen vormittags die Musahar-Familien, sprechen in den matriarchalisch geprägten Familien über die Schüler und bemühen sich, die Wichtigkeit von Schulbildung zu vermitteln. Ziel ist es, über die Motivation der oftmals ungebildeten Mütter eine Bindung zur Community aufzubauen.