Günter Grünwald war im Wirtsstadl

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Mitterfels-Scheibelsgrub:Wer ist hier der Depp, ich oder die anderen?

(erö) Schon längst ist Kleinkunst im Wirtsstadl von Traudl und Norbert Gürster in Mitterfels-Scheibelsgrub kein Geheimtipp mehr. Das zeigte sich einmal mehr beim Kabarettabend mit Günter Grünwald, der bereits zum Jahresanfang fast ausverkauft war. Grünwald stellte sein neues Programm „Deppenmagnet“ vor und outete sich als einer, der Deppen magisch anzieht. Und Deppen sind eigentlich alle, denen Grünwald so begegnet: das Publikum, das Flaschen umschmeißt; Leute, die nervige Kinder ins Kabarett oder gar in ein Rockkonzert mitnehmen; Tattooträger im Freibad oder Leute, die lachende Buddhas ins Wohnzimmer stellen.

Mit der Empfehlung „macht euch einen unterhaltsamen Nachmittag im Baumarkt“ sprach Grünwald vielen Männern aus dem Herzen. Er selbst hatte ein Abflussreinigungsgerät erstanden und schilderte anschaulich, wie man damit verstopfte Abflüsse frei bekommt. Der Knaller: Der Abflussreiniger war eigentlich für eine verschluckte Gräte gedacht, förderte aber noch ganz anderes zu Tage. Die Abhängigkeit von Handy- und Internetnutzung wurde auf die Schippe genommen und eine Prise Eigenwerbung war auch dabei.

Nach der Pause griff es Grünwald noch mal richtig an: Bei einem Sketch mit einem Betrunkenen im Wirtshaus wurde deutlich, was so Mancher über Asylbewerber denkt: „Darf der Neger hier herin einen Schweinsbraten fressen? Der hat doch noch nie gearbeitet“. Und schon wird vom Wirt eine Schaufel verlangt. Da bleibt dem Zuhörer das Lachen in der Kehle stecken. „Genial“ war Grünwalds Vorschlag an sächsische Pegida-Anhänger: Schickt eure Flüchtlinge nach Bayern, wir tauschen sie gegen unsere Sachsen aus. Die dämliche Metzgereiverkäuferin, der unfreundliche Busfahrer und insgesamt die „Preußen“ bekamen ihr Fett ab.

Er liebt schnelle Gedankensprünge, der Grünwald: Da denkt er erst an eine Seniorin, die Obst und Gemüse betatscht und blitzartig ist er beim pädophilen Priester gelandet. Der Volksdroge Alkohol gewinnt Grünwald durchaus etwas Positives ab: Man solle mal überlegen, wie viele Kinder im Rausch gezeugt werden.

Das und noch viel mehr gab Grünwald im Plauderton zum Besten, oft hintersinnig und mit viel schwarzem Humor: In einem Sketch zum Beispiel steht eine Seniorin an der Supermarktkasse und weiß ihre Geheimnummer nicht mehr. Sie muss dann mit lauter Kleingeld bezahlt. In einem anderen wird in unappetitlichen Einzelheiten eine nicht allzu attraktive Club-Animateurin beschrieben. Die Männer fanden es lustig, die Frauen weniger. Am Schluss stellt sich die Frage: Wer ist hier der Depp, ich oder die anderen? Das Publikum bedankte sich mit kräftigem Beifall und erklatschte sich eine Zugabe.

Bogener Zeitung , 29.08.2015

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