Johanna Uekermann über politische Ziele, die SPD und den Koalitionsvertrag

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    "Zukunft gestalten geht anders"

    Sie stammt aus einer waschechten Sozi-Familie und war als Kind auf mehr Parteiveranstaltungen als Kindergeburtstagen:

    Johanna Uekermann, derzeit noch stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten (Jusos), steht vor dem vorläufigen Höhepunkt ihrer politischen Karriere. Am kommenden Wochenende kandidiert die 26-jährige SPD-Politikerin aus Mitterfels (Kreis Straubing-Bogen) für den Juso-Bundesvorsitz. Ihre Chancen stehen gut. Sie wäre damit die erste bayerische Juso-Bundesvorsitzende seit rund 50 Jahren. Im Interview erzählt sie, warum es für sie niemals eine andere politische Heimat als die SPD geben wird und was sie vom Koalitionsvertrag hält.

    Frau Uekermann, was sagt eine erfolgreiche Jung-Sozialistin wie Sie denn zum aktuellen Koalitionsvertrag? Wie viel SPD steckt da noch drin?

    Uekermann: Fakt ist, die SPD hat in einigen Bereichen gute Verhandlungserfolge erzielt. Sie hat der Union Kompromisse abgerungen, hinter die die Konservativen nicht wieder zurückfallen können. Fakt ist aber auch: In vielen wichtigen Bereichen konnten wir gegen die Union unsere Positionen nicht durchsetzen. Es fehlt ein tragfähiges Finanzierungskonzept für notwendige Zukunftsinvestitionen. Es fehlt die Vision eines anderen Europas. Es fehlen Zukunftsperspektiven für junge Menschen. Zukunft gestalten geht anders!

    Sie haben in den vergangenen Jahren innerhalb der Jusos eine steile Karriere hingelegt. Hand aufs Herz: Was hat eine junge SPD-Nachwuchspolitikerin wie Sie an den. beiden Wahlabenden im Herbst gedacht, als sie die Ergebnisse ihrer Partei auf dem Tisch hatte?

    Uekermann: Ich war enttäuscht. Ganz klar, ich hätte mir ein besseres Ergebnis für die SPD erhofft. Umso wichtiger ist jetzt, dass die SPD sich mit dem Ergebnis auseinandersetzt und die richtigen Schlüsse daraus zieht.

    Was braucht die SPD denn, um zu ihrer alten Stärke als Volkspartei zurückzufinden?

     

    Uekermann: Da muss die SPD an mehreren Stellen ran: Wir müssen die inhaltliche Erneuerung konsequent voranbringen. Insbesondere auch dort, wo uns die Wählerinnen und Wähler keine allzu große Kompetenz zugewiesen haben - zum Beispiel bei der Wirtschaftspolitik. Wir müssen als SPD aber auch diverser werden, was unser Auftreten angeht. Dazu gehört für mich: mehr Frauen in die erste Reihe! Mehr junge Menschen in die Parlamente!

    Und was können oder müssen die Jusos dazu beitragen?

    Uekermann: Die Jusos sind traditionell diejenigen, die die SPD vorantreiben und wichtige Debatten anstoßen. Das werden wir auch die nächsten Jahre tun - kritisch und solidarisch.

    Sie sind in einer waschechten "Sozi-Familie" aufgewachsen. Ihr Großvater war Bürgermeister, Ihr Vater gehört zu den SPD-Urgesteinen im Landkreis Straubing-Bogen. Wie war das für Sie als Kind?

    Uekermann: Ich fand das immer spannend, da war immer viel los. Ich war auf mehr Parteiveranstaltungen als Kindergeburtstagen. Politik und Diskussionen darüber, wie unsere Gesellschaft gerechter wird, gehörten für mich zum Aufwachsen dazu.

    Ab wann fingen Sie dann an, sich politisch zu engagieren?

    Uekermann: Ich bin zwar schon 2002 der SPD und den Jusos beigetreten, so richtig aktiv wurde ich aber erst drei Jahre später. Die großen Themen waren damals in Bayern die Einführung der Studiengebühren und des G8 - dagegen wollte ich etwas tun.

    War für Sie schon immer klar, dass Sie SPD-Mitglied werden, oder haben Sie sich auch einmal politisch in eine andere Richtung orientiert?

    Uekermann: Für mich war von Anfang an klar, dass es nur eine politische Heimat für mich geben kann - und das ist die Sozialdemokratie. Von meinem Vater habe ich gelernt, dass es oftmals einen langen Atem braucht, um etwas zu verändern. Aber aufgeben, das geht nicht!

    Trotzdem: Nehmen wir an, Sie wären anstatt zu den Jusos zur Jungen Union gegangen? Wie hätte Ihr Vater darauf reagiert?

    Uekermann: Da können Sie sicher sein - das wäre nicht passiert. Ich bin ja zu den Jusos gegangen, nicht, weil ich mich für irgendetwas engagieren wollte, sondern weil ich mich für etwas Bestimmtes einsetzen wollte: eine gerechte und solidarische Gesellschaft, in der starke Schultern mehr tragen als schwache, in der es keine Rolle spielt, welches Geschlecht man hat und wo man herkommt. In der alle die gleichen Chancen haben und das Leben leben können, das sie gerne möchten.

    Wie stehen Ihrer Meinung nach Ihre Chancen für die Wahl zum Bundesvorsitz?

    Uekermann: Meine Chancen stehen ganz gut - ich werde von vielen Landesverbänden in meiner Kandidatur unterstützt.

    Wenn Sie gewählt werden, was wollen Sie als Erstes anpacken?

    Uekermann: Ich möchte einen engagierten Europawahlkampf mit den Jusos hinlegen und zeigen, dass wir ein anderes, ein offenes, demokratisches und solidarisches Europa wollen. Und eine Politik in Europa, die Schluss macht mit der Jugendarbeitslosigkeit und der katastrophalen Asylpolitik. Des Weiteren möchte ich unsere Bildungsarbeit neu aufstellen und insbesondere Frauen besser fördern und vernetzen.

    Und zum Schluss noch ein kurzer Blick in die Zukunft: Wo würden Sie sich gerne in 20 Jahren sehen?

    Uekermann: Das weiß ich noch nicht so gen au - aber eines weiß ich sicher: Egal auf welcher Ebene, ich werde weiterhin Politik machen.

    Interview und Bild : Verena Lehner ( Straubinger Tagblatt, 5.12.2013 )

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    Johanna Uekermann ist 26 jahre alt und hat gerade ihr Studium der Politikwissenschaften in Würzburg beendet. Sie ist seit 2002 Mitglied der SPD, seit 2009 stellvertretende luso-Landesvorsitzende und seit 2011 stellvertretende Juso-Bundesvorsitzende. Im Herbst kandidierte sie bei den Bundestagswahlen für die SPD im Wahlkreis Straubing.

     

     

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