Reisende und Räuber auf der "Uralten Landstraß"

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    Der „Deutsche Steig“  - Der westlichste Handelsweg über den Böhmerwald


     

    Seit frühgeschichtlicher Zeit bestanden Wegeverbindungen zwischen dem Donauraum und dem böhmischen Becken.  Säumer mit ihren Pferden  bewegten sich auf den verschiedenen Zweigen des Goldenen Steiges, des Guldensteiges, des Gunthersteiges und des Baierweges  über den Nordwald mit seinen Urwäldern, Filzen und Sümpfen.  Der westlichste dieser Böhmerwaldsteige überquerte zwischen Neukirchen b.Hl.Bl. und Neuern die Grenze.

    Von Regensburg über Cham führte die ehemalige Heer- und Handelsstraße  von Bayern nach Böhmen. In Furth  zweigte eine Hochstraße nach Vollmau ab.  Der andere Weg führte weiter  über Eschlkam nach Neumark in Böhmen.

    Unterneuern mit der alten "Vierzehn Nothelfer Kirche"Bei Eschlkam trennt sich ein weiterer Weg, der über Neukirchen beim Hl. Bl., Hanger und Gleitsbach  ohne Rittsteig zu berühren über die böhmische Grenze und von da über Neuern (Nyrsko) im Angeltal und Klattau (Klatovy) nach Pilsen führt. Dieser Weg, der in alten Urkunden „německá stezka“ (Deutscher Steig) oder auch „Neuenkürcher Straß“  genannt wird, war auch ein vielbegangener Handelsweg. Er stellte die kürzeste Verbindung von Klattau gegen Niederbayern her. Der „Deutsche Steig“ wird um das Jahr 1570 auch „Klattau - Vilshofener Straße“ bezeichnet und war durch die Burgen Pajreck, Bistritz, Janowitz und Klenau gesichert. Allerdings lebten dort zu verschiedenen Zeiten  auch Raubritter, die die Straße eher unsicher machten.  Dieser Straße folgten in Friedenszeiten Saumpferde, vor allem mit Kornlasten beladen, an die Donau, von wo sie mit Salzscheiben bepackt  wieder heimkehrten. Gleichzeitig waren  hier Wallfahrer, Federn- und Schmalzhändler unterwegs. Böhmisches Bier war beliebt, und so holten sich die Wirte aus Arnschwang, Weiding, Dalking und Eschlkam ihr Bier aus Böhmen. Auf dem „Deutschen Steig“  kamen bayerische Gesandtschaften nach Böhmen, die vom Münchener Hof gegen Prag zogen. Nach der Schlacht am „Weißen Berg“  (8.11.1620) begab sich Kurfürst Maximilian mit vielen Beutewagen und großem Gefolge auf dieser Straße nach Straubing und  weiter  nach München, nachdem er zunächst in Neukirchen beim Hl.Bl. am 21/22. November mit 5000 Mann genächtigt hatte. Maximilian war ein großer Marienverehrer. Bevor er nach Böhmen zog machte er eine Wallfahrt auf den Bogenberg. Er wählte wohl bewusst  den Wallfahrtsort Neukirchen als Eingang  in sein Bayernland. Hier war man vielleicht nicht hocherfreut über diesen Besuch. Eine Seuche raffte zwei Drittel des bayerischen Heeres hinweg. Normal sperrte man die Grenze vor Fremden, die Unheil und Krankheit mitbrachten. Sicher aber wurde der Landesherr und Sieger mit Jubel begrüßt.  Weil Maximilian die Wallfahrtskapelle in Neukirchen mit der Hussitenmadonna zu gering erschien, ließ er sie großzügig zur Kirche ausbauen. Elisabeth, die Gemahlin Maximilians, hat den Kirchenbau mit eigenen Geldmitteln unterstützt. Nach ihr und nach Maximilian wurden in Neukirchen zwei Straßen benannt.

     

    Das Geleit

    So führte der westlichste Böhmerwaldsteig, der "Deutsche Steig",  von Klattau über Neuern -  Glashütten - St. Katharina - Hanger  - Atzlern (Mautstelle) nach Neukirchen b. Hl.Bl. und weiter an die Donau. Eine Raststelle war in der "Klausn" in Kohlheim. Für die Bedeutung dieses Handelsweges spricht die Bezeichnung "als rechte uralte Landstraß aus Böhmen nach Straubing". Dieser Handelssteig machte Neuern zu einem wichtigen Zollamt.

    Die Entstehungsgeschichte von Neukirchen und Neuern ist in dem Jahrhundert zwischen 1300 und 1400 anzusehen. Die früheste urkundlich bekannte Erwähnung des Ortes Neukirchen ist das Jahr 1301. Zur gleichen Zeit  war auf böhmischer Seite der Adel von großer Baulust beseelt; die ältesten Kirchen und Burgen sind in jener Zeit entstanden, so die Burg Klenau um 1300, die frühgotische Kirche in Ober-Neuern 1352 und 1400 die Leonhardskirche in Kolheim. Zum Schutz der Landesgrenze und des Handelsweges wurde zwischen 1327 und 1356 auch die Burg Pajreck gebaut. Im Mittelalter waren die Straßen und Wege für Reisende und Händler sehr unsicher. Allerhand Raubgesindel trieb sich in den Grenzwäldern herum. Die Pajrecker Ritter sorgten für ein sicheres Geleit für Reisende von Neuern bis hinauf zur Landesgrenze. "Auf der Luft" nahmen sie  dann vom Neukirchner Hauptmann geleitete Personen in Empfang. Für das Geleit hatte jeder Reisende eine gewisse Abgabe zu bezahlen. Der Ortsteil „Gleitsbach“  bei Rittsteig erinnert noch heute an die damalige Gepflogenheit. Aus früherer Zeit  ist auch ein Geleit von Cham aus bezeugt (1276), wo ein Geleitshauptmann mit bewaffneter Truppe  Kaufleute über  Arnschwang,  Sengenbühl, über den Sengenbühler Bach (Grenze zwischen Bayern und Pfalz)  und Schwarzenberg nach Neukirchen führte und vor räuberischen Übergriffen schützte (W. Perlinger).

    Diese Steige und Wege brachten in Kriegszeiten viel Not und Unglück über die Anwohner, im Frieden aber auch viel Nutzen durch Verkehr und Handel. Die Vorspanndienste der an den Grenzpässen siedelnden Bauern, die Reparaturen an Wagen und der Hufbeschlag waren recht erträglich.

    Nahe der Grenze bei Gleitsbach wird in alten Grenzbeschreibungen ein Felsen als „Rauberstein“ bezeichnet. Es war auch der Brauch,  zur Abschreckung des Gesindels  - und wahrscheinlich auch zu dessen schneller Hinrichtung - an den Waldsteigen Galgen aufzurichten. So gab es am „Deutschen Steig“  zwischen Glashütten (Skelná Hut) und Kohlheim (Uhlíštĕ) einen „Galgenhübel“. Eine interessante  Nachricht verdanken wir einem Tiroler Arzt; dieser erzählt von den gefürchteten „böhmischen Schmäräken“, die mit einem Beil „das kleinste Ziel treffen und würden dadurch den Reisenden in den Wäldern gefährlich“. Schon Kaiser Karl IV. hat angeordnet und  der böhmische Landtag hat nochmals bestätigt (1492), „daß zur größeren Sicherheit und zur Hintanhaltung der Räuberei die Wälder zu beiden Seiten der Wege auf zwei Stadien (250 Schritte) gefällt werden sollen“. Es kam aber noch schlimmer. Im und nach dem Dreißigjährigen Krieg wuchs mit der Zahl der brotlosen und marodierenden Soldaten das Räubervolk zu einer furchbaren Landplage  an. Dem Kriegsvolk war eben das Rauben und Plündern während der langen Kriegsjahre zur Gewohnheit und zum Gewerbe geworden.

     


    Quellen: J. Blau: „Böhmens Kampfheide (1938); Neukirchen b. Hl.Bl., Markt und Wallfahrt (1978); W. Perlinger: Eschlkam Bd. I (2010)

     



     

    Legenden

    Abb. 1:       Alte Grenzkarte mit „Deutschem Steig“

    Abb. 2:       Unterneuern mit der alten „Vierzeh Nothelfer - Kirche“

    Abb. 3:       Ruine der Burg Pajreck (2004)

    Abb. 4:       Wallfahrtskirche St. Leonhard in Kohlheim (Uhlišté)

    Abb. 5:       Grenzübergang „Luft“ zwischen Neuern (Nyrsko) und  Rittsteig

    Abb. 6:       Kurfürst Maximilian von Bayern weilte am 21./22. November  1620 in Neukirchen b. Hl.Bl.

     

     

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