Tiefe Spuren einer „Zuagroasten“
Authentisch, zugewandt, beharrlich und – auch das ist ein Wort, das so mancher Wegbegleiterin und manchem Wegbegleiter von Maria Birkeneder sofort einfällt: kämpferisch. Aber im rein positiven Sinn. In der vergangenen Woche ist die politisch und gesellschaftlich engagierte Mitterfelserin nach langer Krebserkrankung im Alter von 74 Jahren gestorben.
„Ich bin eine Zuagroaste“, sagte Maria Birkeneder vor über 13 Jahren in einem Interview mit der Mediengruppe humorvoll über sich, obwohl sie im nur sechs Kilometer von Mitterfels entfernten Haibach zur Welt gekommen ist. Die gelernte Erzieherin lebte viele Jahre auswärts, einige Zeit nach der Hochzeit aber zog sie nach Mitterfels, „weil ich Sehnsucht nach heimatlichen Gefilden hatte“, erzählte sie damals ebenfalls. Und: „Ich schiebe gerne von hinten an, Beharrlichkeit ist meine Stärke.“ Dieses Bewusstsein ihrer eigenen Stärke war nur eine ihrer herausragenden Eigenschaften. Sie hat ihre Vorzüge nämlich nicht nur gekannt, sie hat sie für ihre Pläne zudem erfolgreich zu nutzen gewusst.
Im Jahr 1990 wurde sie Mitglied in der ÖDP, weil ihr als Katholikin das christlich-wertkonservative Programm dieser aus den Grünen hervorgegangenen Partei zusagte und nicht zuletzt, weil sie sich für die ihr am Herzen liegende Demokratie aktiv einsetzen wollte.
Ebenso ein Anliegen war ihr das Thema Nachhaltigkeit. Nach dem Motto „Global denken und lokal handeln“ setzte sie sich als Marktgemeinde-, Kreis- und Bezirksrätin dafür ein, dass die Menschen den Planeten Erde nicht von einer einzigen Generation ausbeuten lassen dürfen. Ein klarer Wertekompass gab ihr für ihr politisches und gesellschaftliches Handeln immer die Richtung vor.
Einfach nur still zu schweigen, war nicht ihre Sache, wohl aber, sich vorab ausgiebig und tiefgehend bei den Fachleuten über das Vorhaben zu informieren. Entsprechend überzeugend und erfolgreich war sie dann auch. Im Dezember vergangenen Jahres hat Maria Birkeneder für ihr außerordentliches und wegweisendes ehrenamtliches Engagement die Josef-Schlicht-Medaille des Landkreises verliehen bekommen. Sie wurde damit für ihren langjährigen Einsatz für die Marktgemeinde Mitterfels und für ihren Einsatz als Vorreiterin für den Fair-Trade-Handel ausgezeichnet. Birkeneder wurde 2013 auch mit der Bronzenen Bezirksmedaille geehrt.
Hien-Sölde und freifließende Donau
Maria Birkeneder kann guten Gewissens als Bewahrerin der Historischen Hien-Sölde in Mitterfels bezeichnet werden. Jahrelang hat sie dafür gekämpft, dass das einstige Kleinbauernhaus, das als ältestes Blockhaus in Niederbayern gilt, nicht nur erhalten, sondern auch mit Leben erfüllt werden konnte. Ebenfalls ein Herzensprojekt war der Fair-Trade-Handel im Sinne der Erzeuger in den armen Ländern. Im Gleichklang hierzu steht das immerhin 25 Jahre lang erfolgreiche Fair-Trade-Angebot in Mitterfels in wechselnden Räumlichkeiten.
Nicht zuletzt waren der gläubigen Frau die Umwelt und der Erhalt der freifließenden Donau wichtig. So hat sie in den 90er-Jahren maßgeblich dafür mitgesorgt, dass die Donau zwischen Straubing und Deggendorf nicht gestaut, sondern stattdessen sanft ausgebaut wurde. Zusätzlich hat sie mit ihrem ebenfalls bereits verstorbenen Mann Bernd das ökumenische Donaugebet am Donauufer bei Oberalteich ins Leben gerufen.
Ihr Heimatbegriff ging weit über Mitterfels hinaus
Ihre Erfolge hat sie aber nicht für sich selbst reklamiert. Im Gegenteil. Maria Birkeneder hat stets auf die gezeigt, die sie bei all ihren vielen Tätigkeiten unterstützt haben. „Wenn die richtigen Menschen am richtigen Ort zusammenarbeiten, kann man vieles erreichen“, hat sie bei der Verleihung der Josef-Schlicht-Medaille gesagt. Maria Birkeneder hatte offensichtlich immer die richtigen Menschen um sich, denn sie hat vieles erreicht. Sie hat in der ihr so wichtigen Heimat, die für sie weit über Mitterfels hinausging, tiefe Spuren hinterlassen – sichtbare und spürbare.
Uschi Ach (SR-Tagblatt, 12.5.2026)
