Willi Goetz referierte über Reihengräberfeld in Straßkirchen

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Im Gäuboden stand die Wiege der Bajuwaren  – 35000 Euro für Restaurierung gesammelt

Mitterfels. (erö) Wie ein Abenteuer hörte sich der Bericht von Willi Goetz, Schulamtsdirektor a. D. und Hobbyarchäologe, an, den er auf Einladung des Arbeitskreises Heimatgeschichte Mitterfels im Pfarrheim Mitterfels hielt. Thema waren die Ausgrabungen von Reihengräbern auf dem Grundstück von Goetz in Straßkirchen, die von 1988 bis 1993 vom bayerischen Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt wurden. 402 Gräber, darunter mehr als hundert Kindergräber, mit 405 Bestatteten aus der bajuwarischen Phase, konnten geborgen werden. Trotz zahlreicher Grabraube fanden sich neben den Skeletten eine Menge Objekte wie Schmuck, Waffen und Geräte des Alltags. Willi Goetz, Initiator der Ausgrabung und als Grundstücksbesitzer direkt betroffen, fasste seine Erfahrungen in einem locker und anschaulich gestalteten Vortrag zusammen und schilderte kurzweilig den Ablauf der Grabungen und die Freude über die zahlreichen Entdeckungen. Da die Funde lange Zeit unrestauriert in München in der archäologischen Staatssammlung lagerten, wurde Goetz noch einmal aktiv: Er sammelte, unterstützt von der Gemeinde Straßkirchen und Bürgermeister Eduard Grotz, 35000 Euro zu Restaurierung und Erhalt dieses Schatzes, wie Elisabeth Vogl, Vorsitzende des Arbeitskreises, zu Beginn erklärte. Ein Teil dieser Funde ist bereits restauriert und in einer Sonderausstellung im Gäubodenmuseum in Straubing zu sehen.

Goetz ging zunächst auf die frühe Besiedlung des Gäubodens ein, der über Jahrtausende hinweg ein begehrtes Siedlungsgebiet gewesen sei. Im Bereich Straßkirchen habe sich zum Ende der römischen Herrschaft um 450 n. Chr. zur Zeit der Bajuwaren ein Bauernhof neben dem anderen befunden. Auf einer leichten Anhöhe gegenüber dem Dorf, auf dem Gelände eines ehemaligen römischen Gutshofes, sei der bajuwarische Friedhof mit einem umfangreichen Reihengräberfeld entstanden. Spätestens seit den 30er Jahren war das Gelände als archäologischer Fundort bekannt, sagte Goetz. Mit Unterstützung des begeisterten Ausgrabungstechnikers Otto Karl und unter der Leitung des Landesamtes für Denkmalpflege sei im August 1988 auf seinem Grundstück mit Probegrabungen begonnen worden: „Grab neben Grab in ost-westlicher Ausrichtung – das bajuwarische Reihengräberfeld war wiederentdeckt“, erzählte Goetz. Zur Freude aller Beteiligten wurde etwas abseits das unberaubte Doppelgrab eines jungen Adelspaares gefunden. Mit kostbaren Grabbeigaben wie Wurfaxt und Kamm, zwei einzigartigen gläsernen „Rüsselbechern“ und reich verzierten Fibeln und Tischmesser, mit Perlen aus Glas, Bernstein und Meerschaum.

Mit diesen Abbildungen der verschiedensten Grabbeigaben ließ Goetz die Zeit der Bajuwaren lebendig werden: Geräte wie ein Hobel, Messer, Pinzette und Kämme, Schilde, Kurz- und Langschwerter, Fibeln, Ringe und Perlen wurden gefunden und besonders geformte Keramik entdeckt. Winzige Textilreste beweisen, dass die Menschen schon damals Stoffe aus Indien und China besaßen. Unermüdlich und mit größtem Fingerspitzengefühl habe Otto Karl gearbeitet, sagte Goetz. Anthropologen wie Kerstin Kreuz sei es gelungen, von den Skeletten auf Abstammung und Arbeitsweise, auf Ernährung und Krankheiten der Menschen wie Karies und Arthrose zu schließen. Die Männer waren bis 1.80 Metern, die und Frauen 1.62 Meter groß, die Kinder meist gut ernährt.

Der Fundkomplex in Straßkirchen, der nur einen kleinen Teil des tatsächlichen Gräberfeldes umfasst, bestätige die kunsthistorische Bedeutung der Ausgrabung und lasse den Schluss zu, „dass im Gäuboden die Wiege der Bajuwaren stand“, sagte Goetz. Geplant ist, eine Führung durch die Ausstellung im Gäubodenmuseum anzubieten.



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