Tag des offenen Denkmals: Stündlich Führungen in der Hien-Sölde

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Holzbalken aus dem Winter 1436 - An der unverputzten Ostfassade ist die ursprüngliche Bauweise gut zu sehen.

Mitterfels. (erö) „Schau herein ins Denkmal“ – mit diesen Worten lockte der Förderverein „Freundeskreis historische Hien-Sölde“ gestern die Besucher zum „Tag des offenen Denkmals“. Zu Gast war auch die stellvertretende Landrätin Barbara Unger, die sich von dem Haus, dessen Außenwände und Deckenbalken nachweislich aus dem Jahr 1436 stammen, sehr angetan zeigte: „Ich bin stolz darauf, dass sich die historische Hien-Sölde als ältester Blockbau Niederbayerns im Landkreis Straubing-Bogen befindet. Er prägt den Ort Mitterfels und macht ihn nochmals um eine Sehenswürdigkeit reicher.“

Die stellvertretende Landrätin wies darauf hin, dass es im Landkreis mehr als 1 000 Baudenkmäler gibt, die die Region prägten und Wahrzeichen der Ortschaften seien. Es sei wichtig, diese Denkmäler zu pflegen und für die nächsten Generationen zu erhalten, sagte Unger. Sie hob die Arbeit des Fördervereins mit seiner Vorsitzenden Maria Birkeneder hervor, der die Sanierung und den Erhalt des historischen Hauses gewährleistet. Es sei mit 12500 Euro vom Landkreis gefördert worden.

Zum „Tag des offenen Denkmals“ fanden stündlich Führungen durch das historische Haus mit der Vereinsvorsitzenden Maria Birkeneder und der Historikerin Elisabeth Vogl statt. Vogl erläuterte zunächst die Baugeschichte des Hauses, das bis 1996 von Cilli Attenberger bewohnt war.

Bei einer Kernbohrung der Holzbalken und einem dendrochronologischen Gutachten sei Überraschendes festgestellt worden: Die Tannen, aus denen die Holzbalken geschnitten wurden, stammen vom Winter 1435/36, also aus der Zeit der Agnes Bernnauer. Das Haus weist eine für damalige Zeit sehr geräumige, nach oben offene Flez (Hausgang) auf, von der rechts und links zwei Räume abgehen: die Stube, zwei Schlafkammern und neben der Haustür ein Stall.

Kühe, Ochsen, Rinder und Kälber in kleinem Raum

Aufzeichnungen über das Inventar des Hauses berichten von einer Unmenge an Kühen, Ochsen, Rindern und Kälbern, die in diesem kleinen Raum untergebracht waren. Gekocht wurde auf einer offenen Feuerstelle, durch kleine Luken zog der Rauch ab. Die Flez war nach oben offen, erst 1901 wurde eine Decke eingezogen. Die ebenfalls sehr geräumige Stube wies zunächst Schiebefenster auf, die später erweitert wurden. Butzenscheiben weisen auf einen gewissen Wohlstand der Hausbesitzer hin.

Historikerin Vogl berichtete von einem Kaufbrief von 1451, in dem von einer „hülzernen Behausung mit Stall und Hennenkobel“ erzählt wird. Alte Inventurlisten weisen auf einen umfangreichen Hausrat mit beispielsweise 35 irdenen Schüsseln und zehn blechernen Tellern hin. Daneben wird eine komplette Schusterausrüstung und zahlreiches Handwerkszeug aufgeführt. In der Stube befand sich vermutlich zunächst auch die Schlafstätte der Hausleute. Als in einer zweiten Bauphase 1617 das Haus erweitert wurde, verlor die Flez ihre Funktion als Verteilungsraum. Eine Treppe führte auf den Dachboden, die Stube erhielt eine Tür und die Schlafstätte wurde ins Nebenzimmer verlegt.

Mehr als 50 Putzschichten übereinander aufgetragen

Die Wohnstube wurde bereits früh mit einem Innenputz versehen. Mehr als 50 Putzschichten seien übereinander aufgetragen worden, so Vogl. Heute ist die Stube in einem lichten Blau gehalten; einzelne Putzschichten sind noch sichtbar. Damals erhielt das Haus auch zwei geschlossene Balkone auf der Ost- und Westseite, von denen nur der östliche erhalten ist.

Im 19. Jahrhundert wurde das Haus mit einem Außenputz versehen und bekam sein heutiges Aussehen. An der unverputzten Ostseite ist die ursprüngliche Bauweise noch gut zu sehen. Das Gebäude erhielt ein neues Dach mit einem großen Speicher. Der 1865 angebaute Stall musste vor der Sanierung aus Platzgründen abgerissen werden.

 

erö (SR-Tagblatt 15.9.14)