Der Wald hat jetzt großen Stress

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Die Waldbrandgefahr wächst – Waldbesitzer wässern per Hand

Sonne ohne Ende, seit vier Wochen kein Regen – viele Menschen freut’s. „Aber der Wald hat Stress“, erklärt Karl Neidl. Er bewirtschaftet in dritter Generation den Auhof in der Gemeinde Mitterfels. Dazu gehören auch zehn Hektar Wald, der schon in den vergangenen Jahren vom Borkenkäfer schwer mitgenommen worden ist. Stürme wie „Sabine“ im Februar haben zusätzlich eine Menge entwurzelter Bäume hinterlassen. Jetzt macht die andauernde Trockenheit dem Wald und besonders den Neuanpflanzungen zu schaffen. Auch die Waldbrandgefahr wächst.


Lichte Baumwipfel, rieselnde Nadeln, große Kahlflächen nach dem Borkenkäferbefall. Dazu schon im Frühjahr sommerliche Temperaturen und ein heftiger Wind, der den Boden austrocknet. Die kleinen, gelegentlichen Regenspritzer kommen gar nicht auf dem Waldboden an. Längst haben die Waldbesitzer die Notlage des Waldes erkannt, pflanzen junge Bäume und nehmen dafür eine Menge Mühe auf sich. Auf den trockenen Kahlflächen die jungen Pflänzchen durchzubringen ist keine leichte Aufgabe.


Als besonnener Waldbesitzer hat Karl Neidl Käferbäume und Sturmschäden längst vom Maschinenring entfernen lassen. Auf den entstandenen Freiflächen wurden junge Bäume nachgepflanzt. „Aber der Regen fehlt.“ Mitte März seien die Pflanzen in nassen Boden gekommen. Seitdem ist es staubtrocken, alles raschelt.


Um die 1500 neu gepflanzten Bäumchen durchzubringen, hat Karl Neidl selbst zur Gießkanne gegriffen und jede Pflanze von Hand gewässert. Auch das Freischneiden der jungen Pflanzen von Gras und Brombeergestrüpp besorgt Karl Neidl selbst und von Hand. Ein Mischwald soll entstehen mit Tannen, Douglasien, Lärchen, Kiefern, Buchen und Ahornarten. Auch Pionierpflanzen wie Birke, Vogelbeere und Wildkirsche dürfen wachsen. Er will keine Monokultur, betont Neidl. Auf die hitzeempfindliche Fichte wird verzichtet. Trotzdem freut sich Neidl über eine Fichtenverjüngung, wo sich junge Fichtensämlinge selbst gesamt haben. Auch sie brauchen Regen.


Für die Wiederaufforstung und Neubepflanzung gibt es eine Förderung vom Staat. Genaue Auflagen sind dafür zu erfüllen. Die Pflege und, wenn notwendig, das Nachpflanzen von vertrockneten Pflänzchen werde kontrolliert. Neidl hat die Pflanzung einer Baumschule übergeben „die machen das professionell in kurzer Zeit“. Aber jetzt haben die jungen Pflanzen Stress, weil das Wasser fehlt.


Leckerbissen fürs Wild
Die ersten Pflanzungen legte Neidl ohne Wildzaun an. Das habe sich aber nicht bewährt. Rehe und Hasen wissen junge Tannen- oder Buchenknospen und Lärchentriebe sehr zu schätzen. „Das sind Leckerbissen für das Wild.“ Auf einer etwas früheren Pflanzung kann man sehen, wie groß die jungen Bäume bereits geworden sind. Sie tragen zum Teil „Hosen“ zum Schutz gegen Wildverbiss und fühlen sich sichtlich wohl. Ärgerlich sei es allerdings, wenn ein Nachbar seine Käferbäume nicht entfernt. „Der Borkenkäfer kümmert sich nicht um Grenzen“, sagt Neidl.
Kosten fallen an für Arbeit des Maschinenrings, der das Abholzen von Käferbäumen und Sturmschäden besorgt, für die Bewässerung und den Schutzzaun, der später wieder entfernt werden muss. Nicht gerechnet der enorme Zeitaufwand durch Wässern und Mähen. Das anfallende Schwachholz wird zu Hackschnitzeln verarbeitet, so Neidl.
Bei der Waldpflege in seinem Wald bei Haibach kann man auch dem Bundestagsabgeordneten Alois Rainer begegnen. Auf Freiflächen nach dem Borkenkäferbefall wurden 2000 Küstentannen gepflanzt, die auch Rainer eigenhändig gießt und pflegt. Oft sei er schon um fünf Uhr morgens vor der Büroarbeit im Wald, schaue nach seinen Bäumen, wässere und mähe mit der Motorsense Gras und Brombeergestrüpp aus.

Wald zukunftsfit machen
Um den Wald fit für die Zukunft zu machen, wurde ein zweijähriges Pilotprojekt des Freistaates unter dem Stichwort „Initiative Zukunftswald“ gestartet. Damit sollen Waldbesitzer und Waldumbau in Zeiten des Klimawandels unterstützt und gefördert werden. Angelika Linhart steht als Fachfrau allen Waldbesitzern für Fragen zur Verfügung.


Elisabeth Röhn (SR-Tagblatt, 25.4.2020)