Vortrag über Frömmigkeit im Mittelalter

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Große Jenseitsangst 

Dass ein Vortrag über Frömmigkeit im späten Mittelalter keineswegs trocken sein muss, hat Professor Dr. Karl Hausberger kürzlich beim AK Heimatgeschichte Mitterfels und der Pfarreiengemeinschaft Mitterfels-Haselbach bewiesen. Hausberger gelang es, diese Periode ganz ungewöhnlichen religiösen Eifers zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert nicht nur anschaulich, sondern an Beispielen aus Stadt und Bistum Regensburg lebendig darzustellen.

Die Zeit vor der Glaubensspaltung (14. bis 15. Jahrhundert) sei geprägt durch eine Fülle verschiedenster, auch gegensätzlicher Ausdrucksformen von Frömmigkeit, sagte Hausberger. Erste Anregungen seien von der Kreuzzugsbewegung und den Bettelorden des 13. Jahrhunderts mit ihrer stark mystischen Komponente ausgegangen. Erschütterungen wie Kriege, Hungersnöte, Naturkatastrophen und Seuchen hätten das Streben nach Heil gesteigert. So suchten die sich ohnmächtig fühlenden Menschen in der Kirche Halt zu finden. Damals habe die Religion alle Lebensräume der Menschen umfasst. Hausberger machte das an drei Aspekten deutlich: an der Christusfrömmigkeit, an der Heiligen- und Reliquienverehrung sowie am Wallfahrtswesen. Die Volksfrömmigkeit sei aufgeblüht, fromme Stiftungen für das Seelenheil seien gemacht worden, die Heiligenverehrung sei angestiegen. Heilige wie Christophorus oder die 14 Nothelfer, die vor jähem Tod bewahren und das Sterben erleichtern sollten, wurden besonders gern angerufen. „Der Glaube des mittelalterlichen Menschen war von großer Jenseitsangst geprägt“, erklärte Hausberger.

Als Beispiel der neuen Christusfrömmigkeit mit dem Hang zum Schauen und Begreifen nannte Hausberger das Zur-Schaustellen des Allerheiligsten, auch in Fronleichnamsprozessionen, das man mit dem Glauben an die heilende Wunderkraft des Geschauten verband. In der darstellenden Kunst sei der „majestätisch am Kreuz thronende Christus“ von dem gequälten Gekreuzigten mit Dornenkrone abgelöst worden. Fast noch inniger habe sich das Volk den Heiligen zugewendet.

Gleichzeitig habe ein starker Reliquienkult eingesetzt, verbunden mit dem Wunsch nach einem eigenen Schutzheiligen. Das Patronatswesen blühte, auch bei den Zünften, so Hausberger. Die an Bilder geknüpfte Marienverehrung veränderte sich hin zu den „schönen Madonnen“. Besonders begehrt waren Reliquien wie ein Stück vom Schleier Mariens. Das Ablasswesen, die Wundersucht und der Reliquienkult blühten. Man schrieb dem Zeigen der kostbaren Reliqienschätze große Heilkraft zu und zeigte die „Heiltümer“ öffentlich dem Volk.

Auch das „Kirchfahrtlaufen“ zu neuen Wallfahrtsorten mit Gnadenbildern Mariens wurde immer beliebter. Doch sei die mittelalterliche Frömmigkeit auch vom Geist christlicher Nächstenliebe geprägt gewesen.

Bogener Zeitung , 27.06.2016

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