För­de­rung von Bil­dung als vor­ran­gi­ges Ziel

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Viel zu tun gab es die letzten Wochen für Herbert Schneeweis vom Verein Kinderhilfe Nepal Mitterfels. Vor Ort machte er sich einen Eindruck von den durch den Verein unterstützten Projekten in Nepal. Dabei war es unter anderem notwendig, neue Projekte anzustoßen, laufende zu verbessern und Kontakte zu regionalen Partnern zu pflegen.

Der Verein Kinderhilfe Nepal finanziert und unterstützt begleitend ein Bildungsprojekt in Humla im Nordwesten von Nepal, nachdem man 2015 im Norden von Kathmandu, der Hauptstadt von Nepal, auf ein Kinderheim aufmerksam geworden war, das durch das Erdbeben vor zwei Jahren stark in Mitleidenschaft gezogen worden war. Bei Besuchen von durch den Verein für ein Kinderheim in Kathmandu geschickten Praktikanten sowie durch das Ehepaar Schneeweis im Dezember 2015 fand man dort die Kinder in verwahrlostem Zustand. Leider wurde in der Folge ein damals mit einer provisorischen Leitung entwickelter Plan zur Verbesserung der Bedingungen nicht umgesetzt, sodass man bei einem weiteren Besuch im April 2016 zahlreiche kranke und verlauste Kinder vorfand, denen es an allem fehlte. Viele von ihnen waren, nachdem ihre verarmten Eltern mit der Absicht, ihnen eine gute Schulausbildung zukommen zu lassen, Geld bezahlt hatten, von Schleusern nach Kathmandu gebracht worden. Nach Absprache mit Regierungsstellen wurde das Heim geschlossen und die Kinder in einem Transferheim eines anderen Vereins vorübergehend medizinisch sowie psychologisch betreut, bis ihre Eltern im schwer erreichbaren Humla im äußersten Nordwesten Nepals zwecks einer Rückführung ausfindig gemacht werden konnten.

 

Unterricht über das Radio

Da die Eltern alles für eine Schulbildung ihrer Kinder tun würden, hat der Verein Kinderhilfe Nepal in Mitterfels nach Absprache von Herbert Schneeweis mit dem Manager und Radiosprecher von Radio Karnali in Simicot Humla ein Bildungsprogramm erstellt. Über ein Broadcasting-Radio-Lehrsystem werden täglich drei Stunden Unterricht für Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften ausgestrahlt. Mehr als 1 000 Schüler können über Radio den Unterricht verfolgen und über SMS Fragen an Lehrer stellen. 44 Gehstunden von Simicot entfernt werden zudem an zwei Orten mit 284 Schülern und vier Lehrern sowie deren Monitoring sogenannte Tution Classes installiert, wobei Hausaufgaben betreut und der Lehrstoff intensiviert wird. Zur Finanzierung des Radio-Broadcasting- und des Tution-Unterrichts-Systems wird der Verein für ein Jahr 23 000 Euro zur Verfügung stellen und für weitere und flächendeckende Maßnahmen versuchen, an Entwicklungsgelder heranzukommen. Ein zweites Projekt kommt etwa 350 durch das Erdbeben heimatlos gewordenen Familien in Betrawati in der Langtang-Region nördlich von Kathmandu zugute.

Betreuung von Kindern

Der Verein Kinderhilfe Nepal hat zusammen mit dem Partnerverein Quick Volunteers die Betreuung der etwa 280 seit dem Beben in selbst gezimmerten Blechhüttenlagern untergebrachten traumatisierten Kinder übernommen. Neben dieser Betreuung durch geschulte Sozialarbeiter wurden Tution Classes aufgebaut, in denen neben dem regulären Unterricht jeweils drei bis vier Stunden zusätzlicher Unterricht beziehungsweise Hausaufgabenbetreuung durch 13 neben- und hauptberufliche Lehrer angeboten wird, unterstützt von drei deutschen Studenten aus dem Straubinger Raum, Anne Götz, Hannah Eickmeyer und Johanna Grill. Das Bildungs-System MGML, das ursprünglich aus Indien kommt, wurde bereits installiert und nach Schulungen macht man sehr gute Fortschritte. Der Verein vermittelt hier jederzeit fünfmonatige Praktika in Kinder- und Altenheimen, Kinderkrankenhäusern und in den Ausbildungscamps Humla-Betrawati und Itahari in Nepal, wobei die Praktikanten jeweils ausführlich vorbereitet werden. Im Jahr 2017 sind bereits zwölf Studenten in Nepal für den Verein tätig.

„Unberührbare Kaste“

Seit Mai unterstützt und begleitet der Verein für Kinderhilfe Nepal zudem im etwa zwölf bis dreizehn Busstunden östlich von Kathmandu an der indischen Grenze gelegenen Itahari ein neues Pilot-Projekt, das Dhalit-Familien-Ausbildungsprogramm. Die Dhalits leben als „unberührbare Kaste“ als Taglöhner „geduldet“ neben Straßen in Lehm-Bambushütten. Während die Eltern und Jugendlichen tagsüber bei Bauern zu niedrigsten Löhnen arbeiten, sind die Kinder auf sich selbst gestellt, was zulasten ihrer Schulbildung geht. Nach dem Besuch von Herbert Schneeweis in neun Dörfern entschloss sich der Verein Kinderhilfe Nepal, für ein Jahr mit 15 000 Euro die finanziellen Mittel für die bewährten Tution Classes und Motivationsprogramme und für eine konstante Hausaufgabenbetreuung zur Verfügung zu stellen, um das Interesse der Kinder am Lernen zu fördern. Für eine längerfristige Förderung dieser Programme ist man bemüht, Großsponsoren zu finden. Neben diesen Projekten konnten zudem zwei elternlose, bei der Oma unter der Brücke lebende Mädchen im Alter von zwölf und dreizehn Jahren in das erste, vom Verein in Kathmandu erbaute Heim, das Children-Welfare-Center, gebracht werden. Der Verein übernimmt die Ausbildungskosten von 1 000 Euro pro Jahr für die beiden. Auch hier ist man auf der Suche nach Sponsoren oder Paten. Um die drei Hauptprojekte in Nepal zu koordinieren, konnte Santosh Bhandari gewonnen werden, der die Projekte vor Ort koordiniert und überprüft. Da zwei Jahre nach dem Erdbeben in Nepal die Spendengelder relativ spärlich geworden sind, finanziert der Verein Kinderhilfe Nepal Mitterfels seine Projekte nunmehr weitgehend durch Mitglieder und Freunde des Vereins sowie durch den Schalverkauf auf Märkten und in Schulen.

Spenden an Kinderhilfe-Nepal-Mitterfels, Bankverbindung Sparkasse Straubing-Bogen, IBAN: DE68 742 500 00 0570253310, BIC: BYLADEM1SRG

 

Straubinger Tagblatt, 17.5.2017

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