Zum Gruseln und zum Nachdenken

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Mitterfelser Autor ist mit Geschichte in „Schauriges Ostbayern“ vertreten

 

Als Mitglied des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller Ostbayern ist auch der Mitterfelser Autor Wolfgang Hammer mit einer „schauerlichen“ Erzählung in dem kürzlich erschienen Buch „Schauriges Ostbayern“ vertreten.

Die Kurzgeschichten, die darin enthalten sind, handeln an Orten in Ostbayern und spielen mit Elementen alter Traditionen, aber auch mit neuen fiktiven Ansätzen. Unter dem Pseudonym Wolf Hamm erzählt Hammer die Geschichte vom unheimlichen Kapuzenmann, der einem erfolgreichen Banker in Straubing erscheint, Unheil stiftet und spurlos wieder verschwindet. Wolf Hamm spricht über die Hintergründe seiner Geschichte, erzählt, warum sie auf einem Straubinger Friedhof handelt und erklärt, wie er beim Schreiben vorgeht.

Wie sind Sie auf die Geschichte gekommen. Und warum ist sie in Straubing auf dem Friedhof Sankt Peter angesiedelt?

Wolfgang Hammer: Es hat mir großen Spaß gemacht, einmal eine Schauergeschichte zu schreiben und die Grenzen des Normalen zu überschreiten. Straubing ist meine Heimatstadt, ein Friedhof ohnehin ein Ort des Schauderns. Eine „Gespenstererscheinung“ weist immer auch auf eine Krankheitsgeschichte oder eine „kranke“ Situation hin, auf die Heilung folgt. Das hat auch eine religiöse Dimension. In meiner Geschichte kommt auch der Teufel vor, der die Hauptfigur, den Banker Müller, wegen seiner Sünden verflucht und ihm alles nimmt, woran sein Herz hängt.

Wie läuft das Schreiben ab? Wissen Sie von Anfang an, wie die Geschichte endet?

Hammer: Ich habe eine Figur im Kopf, daraus entwickelt sich die Handlung und ich schreibe die Geschichte erst einmal herunter. Dann beginnt der lange Prozess der Korrektur und Feinarbeit, immer verbunden mit der Frage: Was willst du damit sagen? Ist es wirklich so? Hilfreich ist es, den Text laut oder leise zu lesen.

Welches Thema ist für den Sammelband 2017 vorgesehen?

Hammer: Diesmal geht es um regionalbezogene Märchen, ein Thema voller Symbolkraft und Metaphern.

Das Buch „Schauriges Ostbayern“ mit dem Untertitel „Unheimliche Ereignisse und geheimnisvolle Geschichten“ ist im SüdOst Verlag erschienen und umfasst 13 Kurzgeschichten mit jeweils einem Foto zu jedem Text. In der Schauerromantik des 19. Jahrhunderts spekulierte man gerne über die Realexistenz „parapsychologischer“ Ereignisse, während man heute den Horror und das Schaudern mehr der Projektion von Angst auf Objekte zuschreiben möchte. In Wolf Hamms Erzählung vom Kapuzenmann wird das besonders deutlich. Der Straubinger Karrierebanker Müller leidet unversehens unter seltsamen Schwächeanfällen und fühlt sich von einem mysteriösen Mann in weißer Kutte und Kapuze bedroht. Auf dem Friedhof Sankt Peter begegnet Müller dem Teufel, der ihn verflucht und mit ihm einen Hexentanz aufführt. Müller verliert seinen Job, seine Frau und seine Kinder. Die Geschichte endet in einer kuriosen Szenerie, unwirklich und beängstigend; der Leser fragt sich verblüfft: War alles nur eine Wahnvorstellung Müllers? Eine wahrhaft spannende, hintergründige Geschichte, über die es sich nachzudenken lohnt.

Interview: Elisabeth Röhn

Der Band „Schauriges Ostbayern“ ist in jeder Buchhandlung erhältlich und kostet 16,90 Euro.

Bogener Zeitung 19.01.2017

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