Sopranistin Bele Kumberger singt bei „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen

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„Das ist ein Ritterschlag“

„Herrlich ineinandergreifende Blumenmädchensoprane“, schreibt die Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über die Premiere der Bayreuther Festspiele mit Wagners „Parsifal“. Eine der sechs Blumenmädchen (Klingsors Zaubermädchen) ist die gebürtige Straubingerin und Kulturförderpreisträgerin Bele Kumberger. Noch bis zum 28. August ist die Sängerin im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth in der Produktion von Regisseur Uwe Eric Laufenberg und Dirigent Hartmut Haenchen zu hören und zu sehen. Wir sprachen mit Bele Kumberger über die besondere Atmosphäre in Bayreuth, die Auswirkungen der Terroranschläge auf die Festspiele und den Stellenwert ihres Engagements für die weitere Laufbahn.

Straubinger Tagblatt: Wie sind Sie denn zu diesem Engagement gekommen?

Bele Kumberger: Ich habe vorgesungen (lacht). Ich hatte das Glück, bereits 2013 ein Blumenmädchen bei den Salzburger Osterfestspielen unter Christian Thielemann gesungen zu haben. Deshalb gab es eine Anfrage bei meiner Agentur, ob ich mich auch für Bayreuth bewerben möchte. Das war dann vor Katharina Wagner, Andris Nelsons, Christian Thielemann und anderen wichtigen Verantwortlichen der Festspiele. Dann hatte ich das Glück, dass ich genommen wurde. Ich bin nun für zwei weitere Jahre für diese Rolle engagiert.

Was macht denn die besondere Aura von Bayreuth aus?

Dass schon seit so langer Zeit dort Musikinteressierte hinkommen, um diese bestimmten Werke zu sehen und zu hören. Vor allem beim „Parsifal“, der einzigen Oper, die wirklich für das Festspielhaus komponiert wurde, spürt man diese einzigartige Atmosphäre. Für mich war es auch das erste Mal in Bayreuth und ich hatte die Möglichkeit einige Generalproben mitzuerleben – das ist ein ganz besonderes musikalisch-akustisches Erlebnis. Diese Musik vereinnahmt einen, besonders in diesem Raum. Nicht zuletzt wegen der klangdämpfenden Schallmuschel über dem Orchestergraben, ist den Sängern ein breiteres Spektrum an musikalischen und dynamischen Farben möglich.

Die jüngsten Terroranschläge hatten Auswirkungen auf die Festspiele, der Staatsempfang wurde abgesagt, es gibt verstärkte Sicherheitskontrollen. Wie nimmt man denn die Stimmung vor Ort wahr?

Die Folgen sind deutlich spürbar. Es gab keinen roten Teppich, es gab kein Schaulaufen, viele Politiker sind nicht gekommen. Ich finde es auch wichtig, ein Zeichen zu setzen. Mir fehlt zwar der Vergleich, aber mir wurde gesagt, dass die Sicherheitsvorkehrungen dieses Jahr sehr viel strenger sind. Zum Beispiel kann man als Solist nur einen Gastausweis ausstellen, also nur einen Angehörigen mit hinter die Bühne nehmen. Man wird jedes Mal kontrolliert, egal ob man dem Wachpersonal schon bekannt ist oder nicht. Dann passieren auch solche Dinge wie während der Proben: Als unser großartiger Parsifal Klaus Florian Vogt im Kostüm, einem Tarnanzug, nach der Pause nicht mehr zurück zur Probe kam, weil er als terrorverdächtig abgeführt wurde.

In die Inszenierung des „Parsifal“ von Uwe Eric Laufenberg wurde ja alles Mögliche hineininterpretiert bis hin zur Islamkritik, bei den Rezensenten ist sie zumindest umstritten, die Musik wurde hingegen gefeiert. Wie hat denn das Publikum reagiert?

Die Inszenierung bietet immer am meisten Spielraum für kontroverse Meinungen und Interpretationen. Die Bilder einer Inszenierung lassen sich viel unmittelbarer mit anderen Produktionen vergleichen als etwa die musikalische Interpretation. Unterschiedliche Meinungen im Theater sind üblich und wichtig. Das Bayreuther Publikum hat die Inszenierung sehr gut angenommen, es gab ein positives Feedback auf die Premiere.

Wie hat sich der unerwartete und kurzfristige Wechsel der Dirigenten von Andris Nelsons auf Hartmut Haenchen nur zwei Wochen vor der Premiere auf die Sänger ausgewirkt?

Das war kein leichter Weg. Beide für sich sind fantastische Dirigenten. Aber wir hatten uns auf die Interpretation eines Dirigenten eingestellt. Bei unserem Ensemble, also den Blumenmädchen, ist es sehr wichtig, wer wann was wie macht, dass die Tempi und die Phrasierungen stimmen, sonst funktioniert das Ensemble nicht. Und wenn man sich auf eine Art eingestellt hat, auf ein Tempo, auf eine Farbe, und dann in kürzester Zeit etwas anderes machen muss, dann hat das Auswirkungen auf die ganze Szene. Es war nicht leicht, erst recht nicht für die großen Partien, aber wir sind alle sehr glücklich mit dem Ergebnis.

Welchen Stellenwert hat das Engagement in Bayreuth für Ihre weitere Laufbahn?

Es ist eine große Ehre, eine Art Ritterschlag, Wagner in Bayreuth zu singen. Alles Weitere kann nur die Zukunft zeigen ...

Interview: Eva Bernheim

Bogener Zeitung , 04.08.2016

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