Den „Groove“ über den Teich geholt

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Motown-Hommage begeistert – Vorgruppe von Anastacia

Motown, das ist das Kofferwort gebildet aus dem Begriff „dirty Motor Town Detroit“, der Autostadt in Michigan am Industriegürtel der USA. Motown, das ist vor allem schwarze Musik aus einem der erfolgreichsten Studios Amerikas. Diana Ross and The Supremes, Stevie Wonder und die Jackson 5 haben unter anderem hier ihre Weltkarrieren gestartet. Den unverwechselbaren Sound kreierten die Studiomusiker des umtriebigen Labels unter der Leitung von Berry Gordy, genannt die „Funk Brothers“. Sie gelangten aber erst zu einem gewissen Ruhm, als das Label bereits für rund 67 Millionen Dollar wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten Ende der 80er Jahre unter den Hammer gekommen war.

Und dann gibt es zwei Menschen, die schon seit vier Jahren den Wunsch im Herzen getragen haben, diese unverwechselbare Musik nicht als Revivalband, sondern als großartige Hommage an das legendäre schwarze Label einem breiten niederbayerischen Publikum zu Gehör zu bringen. Puh! So ganz in Weiß und nur Nr.-1-Hits!

Projekt gelungen. 30 Musiker gaben dieses Wochenende alles. Kreismusikschulenchef Andreas Friedländer, Funkalarm, das Vocal-Ensemble Micbites und viele befreundete Musiker ließen einen Hauch von Detroit durch das Oberalteicher Kulturforum wehen. Zweimal ausverkauft und Standing Ovation. Was will man mehr.

Von „Detroit nach Overoldoak (Oberalteich, Anm. d. Red.)“ wie Moderator Sascha Edenhofer launig bemerkte. „I wish eahna vui Spaß.“ Den hatten die rund 800 Besucher an den beiden Tagen. 60er-Jahre-Licht in Lila und Rot-Orange von Stereo Mike und astreine, beileibe nicht einfache Tonmischung von Thomas Schwarzensteiner.

Beim Betreten des Kulturforums glaubt man es nicht. Im hinteren Bereich der Bühne stehen 13 Gesangsmikrofone nebeneinander aufgereiht. Und die werden auch bestückt – mit zehn Frauen und drei Männern, dazu Klaudia Salkovic-Lang, eine der Initiatoren mit Thomas Mäx Miller, ihrem kongenialen Gesangspartner aus „Funkalarm“. Die Band wird angeführt von Klaudia´s Ehemann Stefan Lang, starkes Gebläse, große Rhythmussektion, Keyboards, Gitarren und – wie es sich gehört – Jochen Benkert als „groovy James Jamerson mit Hut am Bass“.

Ja, es groovt, auch wenn es nicht ganz so „dirty“ wie in Detroit klingt. Die Welthits sind ziemlich nahe am Original. Stefan Lang musste als musikalischer Leiter viele Songs umarrangieren. Immerhin standen drei Trompeten, drei Posaunen und zwei Saxophone als Gebläse zur Verfügung. „Des klingt richtig fett“, meint der Besitzer einer Tanzkarte neben mir. Aber zu „Dancin´ in the street“ traut er sich dann doch nur leicht wippen.

Der erste Höhepunkt mit Gänsehautfaktor ist Marvin Gaye´s „What´s going on?“, vom Rolling Stone Magazine zum viertbesten Lied aller Zeiten gewählt. Thomas Mäx Miller entschwindet gesanglich im Zwiegespräch mit der äußerst vielseitigen Steffi Kreilinger am Sopransaxophon in fast unendliche Höhen, dass sogar die Bee Gees vor Neid erblasst wären. Kreilinger glänzt noch öfter an diesem Abend: An Querflöte, Alt- und Tenorsaxophon. Ein Multitalent mit Wohlfühlcharakter. Die Musik kommt überhaupt aus einem Guss. Und „The Voice“, die Martha Reeves, Diana Ross, Tammi Terrell und alle anderen Größen von Motown verkörpern muss, ist Klaudia Salkovic-Lang. In einem schulterfreien, schwarzen Abendkleid schwebt sie hochhackig über die Bühne und strahlt über das ganze Gesicht. Der Spaß ist ihr anzusehen. Im wahrsten Sinne optisch und stimmlich eine Lichtgestalt. Sie schlüpft spielerisch in alle Rollen und verzaubert das Publikum über mehrere Oktaven, unterstützt von den Backgroundsängern mit dezenter Choreographie. Ein Hit folgt auf den anderen. „My Girl“ von den Temptations, „Superstition“, „What becomes of the broken hearted?“ oder „You can´t hurry love“. Die „Aahs“ und „Oohs“ im Publikum enden am Schluss in frenetischem, lang anhaltendem Applaus. Nach „I´ll be there“ von den Jackson 5 ist dann wirklich dieser denkwürdigende Abend zu Ende.

Und Sascha Edenhofer darf die frohe Botschaft verkünden, dass der „Spirit of Motown“ noch einmal aufleben wird, nämlich am 4. Juli dieses Jahres als Vorgruppe von Anastacia beim Bluetone Festival in Straubing. Let the good times roll!

Bernd Vogel


Bogener Zeitung 11.04.2016

 

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