Von Bayern nach Berlin, vom Punk zur Oper: Sopranistin Bele Kumberger

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Durch Stimme glänzend - Von Bayern nach Berlin, vom Punk zur Oper: Sopranistin Bele Kumberger

Als "sehr intensiv" bezeichnet Bele Kumberger ihre Trotzphase in der Pubertät. Und umwunden gibt sie das zu. Pink gefärbte Haare und ein Nasenpiercing gehörten damals zu Bele. Genauso aber das Singen. Das aufzugeben, stand nie zur Debatte, sagt sie heute. Aber auch lange nicht, dass aus dem Hobby einmal ihr Beruf werden könnte. Mittlerweile ist Bele Kumberger, die 1986 in Straubing geboren wurde, freiberufliche Sängerin, steht auf Bühnen in Schlössern, Opernhäusern und Theatern.

Angefangen hat ihre Liebe zum Gesang schon als Kind, sie war beim Kinderchor und im Mitterfelser Singkreis. Beim Vorsingen am Anton-Bruckner-Gymnasium bemerkte ihre Musiklehrerin Ingrid Bindl Beles Talent. "Sie hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, nachmittags mit ihr zu singen", erzählt die 27-Jährige. So ging es los mit den Gesangsstunden, aber, "das war viel Spaß und wirklich nur ein Hobby" . Damals dachte die Mitterfelserin noch nicht daran, dass dieser Spaß einmal ihr Leben und den Terminkalender füllen wird.

Nur Ausflüge in den Jazzgesang

Einmal, da durfte sie sogar nicht mitsingen beim Weihnachtskonzert des Unterstufenchores. Der pinken Haare wegen. Bele Kumberger hat das schon fast wieder vergessen, muss aber lachen, als sie sich wieder erinnert. Jetzt wäre der knallige Schopf wahrscheinlich gar nicht mehr so schlimm, schätzt sie. "Heute ist es viel mehr möglich, sich selber zu präsentieren, man muss nicht im Wallewalle-Kleid dick geschminkt auftreten“, sagt sie und räumt mit Klischees von Operndiven auf.

Sich verbiegen oder ändern, das musste die junge Frau nicht. Die Musik war und ist die Basis. "Ich habe mich dort emotional immer sehr gut aufgehoben gefühlt", sagt sie. Vor allem in der klassischen Musik, der sie - bis auf ein paar Ausflüge in den Jazzgesang - bis heute treu geblieben ist. Auch wenn sie den Jazz "wahnsinnig gerne gemacht" hat, das Augenmerk lag immer auf dem klassischen Gesang. Und so machte sich Bele mit dem Abizeugnis in der Tasche auf nach Berlin, "ich wollte mal so richtig weg" . Bei einer Gesangslehrerin nahm sie ein paar Probestunden. Das ist bald neun Jahre her. Sie blieb im Norden, doch sie ist "nie ganz heimisch geworden in Berlin". Sie würde gerne für ein paar Jahre an ein Theater gehen, eine feste Stelle, in der sie wachsen und lernen kann. Gerne auch wieder näher an Zuhause.

Joggen, Backen und Fahrstunden nehmen

Bele Kumberger ist viel unterwegs, Ende Oktober ging es sogar bis zum Musikfestival nach Peking, mit der Produktion des "Parsifal" von den Salzburger Festspielen, bei denen sie bereits im Frühling als Blumenmädchen zu hören war. "Eine tolle Erfahrung", schwärmt sie. Es war "wahnsinnig schön, weil es wahnsinnig nette Kollegen waren und weil China wahnsinnig interessant ist". Für diese Möglichkeit, über zwei Wochen beruflich in Ostasien zu verbringen, ist sie sehr dankbar.

Wieder in Berlin angekommen, ist das Singen "lebenserfüllend" . In der U-Bahn Texte im Kopf durchgehen, Stimmen von Bariton und Te nor vor sich her summen. Ganz abschalten kann Bele Kumberger nur beim Joggen. Sport ist ihr wichtig, denn "eine ganze Oper ist körperlich anstrengend", da braucht man Kondition. Wenn sie nicht auf dem Laufband oder der Bühne steht, nimmt die Sängerin Fahrstunden, denn bisher hat sie noch keinen Führerschein. "Während des Abiturs hatte ich schon die ersten Aufnahmeprüfungen, da habe ich es nicht geschafft", gesteht sie.

Oder sie steht in der Küche - nirgends kann Bele Kumberger besser entspannen. "Ich genieße es, Freunde einzuladen und zu kochen oder backen. Man mischt Zutaten und es entsteht etwas, das ist so handwerklich, mit den bloßen Händen geschaffen, das hat etwas Beruhigen des", findet die Sängerin. Klingt doch ganz bodenständig für eine Kulturförderpreisträgerin, Finalistin im Juniorwettbewerb des Bundeswettbewerb Gesang für Oper, Operette und Konzert und Stipendia tin der Yehudi Menuhin Live Music Now Förderung und der Jütting Stiftung. "Gut zu singen, ist ein Glücksgefühl", sagt sie. Dafür opfert sie Abende mit Freunden in verrauchten Kneipen oder ausschweifende Feste. "So was geht nur, wenn ich zwei Tage nicht singen muss." Da heißt es dann daheimbleiben und Filme schauen, um die Stimme zu schonen. "Mein Beruf ist mir wichtig, dann verzichtet man schon gerne."

"Eine Operndiva bin ich auf keinen Fall", sagt Bele Kumberger, deren Vorname so viel wie "durch Adel glänzend" bedeutet. "Bodenständig zu sein, ist in dem Beruf fast nicht möglich", räumt die 27-Jährige ein. Es gebe immer wieder Momente, in denen man abdriftet. Wenn der Druck von außen zu groß wird, man sich fragt, "schaffe ich das?" Doch es gibt genug Menschen, die sie dann wieder runterholen und auffangen. Und außerdem wird sie bald Plätzchen backen.

Bericht und Bild : Ruth Schormann, Straubinger Tagblatt 23.11.2013, Serie „Straubinger Musiker“

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