Projekt von historischer Bedeutung

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"Kunstraum Mitterfels – Naher Osten“ startet am Samstag

Ein besonderes Buch soll entstehen, ein gemeinsames Kunstprojekt von jungen Deutschen und syrisch-irakischen Flüchtlingen zwischen 14 und 21 Jahren. Unter dem Motto „Kunstraum Mitterfels – der Nahe Osten in Niederbayern“ sind Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren eingeladen, Bilder zu Gedichten zu finden, die von Mitterfelser Flüchtlingen geschrieben wurden und Themen wie Flucht und Heimat, Waffen und Frieden zum Inhalt haben. Die Idee dazu hatten der Kunstpädagoge Michael Witte von „kunstraupe: mobile jugendkunstschule“ und Wolfgang Hammer vom Interkulturellen Asylhelferkreis. Mit im Boot ist der Arbeitskreis Heimatgeschichte Mitterfels.

Nun trafen sich vier Jugendliche aus Mitterfels und Haselbach mit Michael Witte, Wolfgang Hammer und Elisabeth Vogl vom AK Heimatgeschichte zu einem ersten Kennenlernen im „Haus der Begegnungen“. Leonie und Sina, Eva-Maria und Jasper machten sich zunächst mit den Gedichten vertraut. Da heißt es zum Beispiel im Gedicht „Waffen“ von Ahmad Almahmoud: „Wörter sind die Waffen der Dichter, die Menschen ergreifen. .... Liebe ist die Waffe der Mutter, die mächtig die Kinder schützt. ... Leben, Freiheit und Gerechtigkeit sind die Waffen der Friedliebenden, die in ihren Kehlen zum Donner werden, der Kugeln und Kanonen besiegt“. Diese Gedichte hat Wolfgang Hammer gemeinsam mit den jungen Flüchtlingen behutsam übersetzt. In der arabischen Kultur komme dem Gedicht eine besondere Bedeutung zu, erklärte Michael Witte. „Die entscheidenden Dinge des Lebens, in Gedichten verfasst, werden ein Teil persönlicher und geteilter Erinnerung.“

Zu diesen Gedichten sollen nun kleine Kunstwerke von deutschen, syrischen und irakischen Jugendlichen entstehen, es sollen sich die Inhalte der Gedichte mit ihren zerbrechlichen Träumen und Lebenszielen der jungen Flüchtlinge widerspiegeln. Auch deutsche Jugendliche sollten mit dieser Thematik konfrontiert werden, meinte Witte. Das könne durch Zeichnungen, Monotypien auf Glasplatten, Drucke, Holz- oder Linolschnitte oder Fotografien ausgedrückt werden. Auch Sprühtechnik sei erlaubt. Einzige Vorgabe: Die Arbeiten werden in Schwarz-Weiß ausgeführt. „So wird ein wesentlicher Teil der gemeinsamen Geschichte von einheimischen und geflüchteten jungen Menschen in den Jahren 2015/16 erzählt und in Erinnerung bleiben.“ Geplant sei auch, die Gedichte und Kunstwerke in Buchform herauszugeben. Dafür gebe es Fördermittel aus dem Kultusministerium, so Witte.

Beim Deutschlernen mit den jungen Asylbewerbern, beim rhythmischen Sprechen seien die Gedichte entstanden, erst in arabischer, dann in deutscher Sprache, erinnerte sich Wolfgang Hammer. Passagen wie „... in meiner alten Heimat lauert der Tod, in meiner neuen Heimat lockt das Leben ...“ bewegten ihn noch immer. Die Vorgabe der Kunstwerke in Schwarz-Weiß könne der rote Faden sein, der die Arbeiten verbindet. Auch Elisabeth Vogl vom AK Heimatgeschichte sieht das Projekt positiv. Es füge sich bestens in die Inhalte des Mitterfelser Magazins ein, das der AK einmal im Jahr herausgibt. „Mit den Flüchtlingen verändert sich unsere Heimat. Das Kunstprojekt wird eine historische Bedeutung für uns alle haben und Geschichte schreiben.“

„Wir haben Zeit zum Einander-Kennenlernen und Ausprobieren“, versicherte Witte bei einem Gang durch die kleine Kunstwerkstatt im „Haus der Begegnungen“. Hier soll am Samstag, 19. November, ab 10 Uhr, das gemeinsame Projekt starten. Auch Neueinsteiger sind willkommen. Anmeldung bei Michael Witte, Telefon 0160/97685085. (erö)

Bogener Zeitung 09.11.2016

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