Kirchenmodell Irakischer Architekten

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Wenn sich Kulturen begegnen

Wenn zwei irakische Flüchtlinge das Modell einer christlichen Kirche bauen, ist das sicher etwas Besonderes. An dieses Werk wagten sich die beiden Architekten aus Bagdad, Ameer Hani Abdulhussein (27 Jahre) und Ali Adel Abdulkhalek (25 Jahre).

Sie haben in ihrer Heimat mehr als 40 Projekte geplant und gebaut – von Wohnhäusern über Hotels bis hin zu Krankenhäusern. „Der Bau dieses Kirchenmodells ist ein wunderbarer Einstieg in die fremde Kultur“, meint der Kunstpädagoge Michael Witte, der im Mitterfelser Mondi-Haus einmal in der Woche aktives Kunstschaffen anbietet und das Projekt begleitete. Die beiden muslimischen Architekten sind aufgeschlossen für die christliche Religion, die sich ihnen mit diesem Modellbau ein Stück weit erschließt. Sie sehen darin keinen Widerspruch, meint Witte. Die Kirche Sankt Georg ist das älteste Gotteshaus in der Marktgemeinde und seit 1224 als Burg- und Schlosskapelle bezeugt, wie aus der Chronik von Franz Wartner zu entnehmen ist. Der jetzige Bau stammt aus dem Jahr 1734 und diente bis zur Einweihung der Kirche Heilig Geist 1970 als Pfarrkirche des Ortes.

Ameer Hani und Ali Adel machten sich ans Werk. „Der religiöse Bau interessiert uns. Deshalb haben wir ihn nachgebaut.“ Seit Anfang des Jahres wurde fotografiert, geplant und gezeichnet. Die Materialien mussten beschafft werden, teils über das Internet, teils in Fachgeschäften. Und dann wurde gebaut, mit ganz großer Liebe zu den vielen Details: Maßstabsgetreu 1:50 wurde die Kirche mit Apsis und Seitenapsiden, mit Satteldach und dem dreigeschossigen Turm nachgebildet. Selbst das Kriegerdenkmal an der Nordseite und die Turmuhren fehlen nicht. Eine besondere Herausforderung seien die runden Apsiden und der Dachstuhl gewesen, erzählen die Architekten und Witte. Dazu musste das Material, eine Art Schaumstoff, kunstvoll gefächert werden. Die Fensterlaibungen wurden mit einem besonderen Kitt ausgekleidet. Die Türen sind ebenso liebevoll nachgebildet wie die winzigen Lüftungsfenster und die Schalllöcher des Turms mit den vielen Lamellen. Das Turmkreuz beschaffte zum guten Schluss Michael Witte. Vorgestellt wurde das Kirchenmodell erstmals beim Begegnungsfest im Mondi-Haus. „Aber wir wollen es der Öffentlichkeit beispielsweise auch in der Kirche präsentieren“, wünscht sich Witte. „Dieses Kunstwerk ist ein Zeitdokument der Mitterfelser Geschichte, in dem sich mehrere Kulturen begegnen.“ (erö)

Bogener Zeitung , 03.10.2016

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