Kirche

Öku­me­ni­scher Buß- und Ver­söh­nungs­got­tes­dienst an­läss­lich des Re­form­ati­ons­ju­bi­lä­ums

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„Zeug­nis ab­le­gen und zu­sam­men­rü­cken“

 

Mitterfels. (erö) Auch in den beiden Kirchengemeinden von Mitterfels wurde das Jubiläum „500 Jahre Reformation“ begangen und mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Kirche Heilig Geist gefeiert. Dieser Feier schloss sich eine Diskussion im katholischen Pfarrheim an.


Der Gottesdienst wurde gestaltet von beiden Pfarrgemeinden mit Diakon Walter Peter und Pater Dominik Daschner, „in Verbundenheit im Gebet mit Christinnen und Christen in aller Welt“, wie Peter betonte. Der ökumenische Gottesdienst stand unter dem Wort „Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen“. Ein quer liegendes Kreuz vor dem Altar wies auf das Trennende zwischen den beiden Kirchen hin. Dass aus der Versöhnung aber auch Verpflichtungen erwachsen, die beide Seiten für das zukünftige Miteinander vor Gott eingehen, wurde im Gottesdienst deutlich. Von der Last der Entzweiung wurde gesprochen und mit einem gemeinsamen Schuldbekenntnis um Vergebung für den jahrhundertelangen Hass gebetet. Beklagt wurde auch, dass noch immer kein Weg für eine gemeinsame Eucharistiefeier gefunden worden ist. Aber es wurde auch für die neue Kultur der Versöhnung gedankt, verbunden mit der gemeinsam zu tragenden Verantwortung für die Ökumene. Unter leiser Meditationsmusik von Walter Peter konnte das trennende Kreuz aufgerichtet werden.

„Neue Freiheit des Geistes“

Im katholischen Pfarrheim hatten sich viele Teilnehmer aus beiden Gemeinden zur Diskussion eingefunden, die von Pfarrerin Susanne Kim moderiert wurde. Auf dem Podium hatten sich neben den beiden Geistlichen Pater Dominik und Walter Peter Doris Metzger und Maria Birkeneder von der Ökumenerunde Mitterfels eingefunden, die mit Impulsreferaten zu Luther, über das Verbindende und Trennende zwischen den Konfessionen und zur Ökumene das Thema vertieften. Luthers Wort von der Freiheit eines Christenmenschen, der allein seinem Gewissen verpflichtet ist, habe eine ganz neue Freiheit des Geistes aufgezeigt, erklärte Doris Metzger. Aber auch der Antisemitismus des Kirchenreformers Luther kam zur Sprache. Pater Dominik machte deutlich, dass die Einheit der Jünger ein zentrales Anliegen von Jesus Christus gewesen sei. Ökumene gehöre zum Kernauftrag von Christen. Das Zweite Vatikanische Konzil habe den Weg dorthin geöffnet. Allerdings könne eine jahrtausendelange Tradition nicht mit einem Handstreich vom Tisch gewischt werden. Trotz konservativer Kirchenmänner wie Kardinal Gerhard Ludwig Müller dürfe man nicht übersehen, dass seither viel in Sachen Ökumene geschehen sei. Es komme immer auf die Menschen an, meinte Diakon Walter Peter, der dafür appellierte, weniger auf das Trennende als auf das Gemeinsame zu achten. Katholiken wüssten oft zu wenig über Protestanten. Beiden sei aber die Erkenntnis gemeinsam: „Nur Christus lädt zum Abendmahl ein.“ Angesprochen wurden die Unfehlbarkeit des Papstes, das Verbot der Priesterschaft von Frauen und die Frage „War diese Trennung, die so viel Leid über Menschen gebracht hat, gerechtfertigt?“. Pfarrerin Susanne Kim stellte klar: „Luther wollte keine Trennung.“ Zum Schluss Versöhnliches und Gemeinsames: Maria Birkeneder berichtete über die gelungene Ökumene in der Marktgemeinde, ausgehend vom Agendaprozess 2000 bis 2004.

Andachten und Donaugebet

Der AK Ökumenerunde veranstalte bis heute Gottesdienste und Andachten, Friedensgebete und Diskussionsabende im Sinne der Ökumene. 2003 habe man gemeinsam am ökumenischen Kirchentag teilgenommen und die Charta Oecumenica unterzeichnet. Nicht zu vergessen das ökumenische Donaugebet am Donauufer. Gemeinsame Schulgottesdienste und die Segnung der Schulanfänger sind selbstverständlich geworden, meinte Birkeneder. Man war sich einig: „Wir wollen gemeinsam Zeugnis ablegen und noch mehr zusammenrücken.“

Straubinger Tagblatt, 27.9.2017 (erö)

 

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