Vom klu­gen Dumm­ling und ei­ner ech­ten Prin­zes­sin

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Nach dem Vortragsabend zur Eröffnung des Märchenjahres Mitterfels über die „Heilkraft von Märchen“ mit Wolfgang Hammer wurde die Veranstaltungsreihe mit einem Vorlese- und Diskussionsabend fortgesetzt.

In kleiner Runde im „Haus der Begegnung“ lasen Wolfgang Hammer und Helma Kreß von der Organisationsgruppe zwei Märchen vor. Helma Kreß hatte das Märchen „Die drei Federn“ der Brüder Grimm ausgesucht.

Hier geht es um drei Königssöhne, von denen einer das Reich erben soll. Drei Federn, in die Luft geblasen, sollen den Weg weisen. Während die beiden klugen Söhne sich wenig Mühe machen, vertraut der Jüngste, der einfältige Dummling, seiner Intuition und findet in einer Erdkröte die Unterstützung, die ihn zum Erfolg führt. Kreß und Hammer machten die Hintergründe des Märchens deutlich: Es gehe um den Zugang zum Unbewussten mit all seinem Reichtum. Die Kröte stehe für das Weibliche, das auch ein Mann in sich entdecken sollte. Der Dummling sei bereit, dazuzulernen und habe ganz in der Nähe sein Glück gefunden. Auch die vom König geforderten Gegenstände wie Teppich oder Ring und ihre Symbole wurden erläutert. Diese Art von Märchen sollte einen Gefühlsraum für Kinder herstellen und sie fürs Leben ermutigen, so Hammer.

Er stellte dem Grimmschen Märchen das Andersen-Märchen „Die Prinzessin auf der Erbse“ gegenüber, zunächst mit einem Zitat in der Originalsprache Dänisch. Ob die Prinzessin, die in jämmerlichem Zustand an das Schlosstor klopft, eine „wirkliche“ Prinzessin ist, will die alte Königin herausfinden, indem sie unter einem Berg von Matratzen und Federbetten eine einzige Erbse versteckt. Und wirklich ist die Prinzessin am anderen Morgen am ganzen Körper blau und grün. Hinter dieser Geschichte einer hypersensiblen Person verstecke sich das Schicksal von Hans Christian Andersen, erklärte Hammer. Er hatte vorher kurz das Leben dieses exzentrischen Künstlers skizziert und wies auf psychologische Aspekte der Erzählung hin. Als „Zugabe“ las Hammer das Andersen-Märchen vom Schatten, der zum Herrn wird, ein tiefgründiges Märchen, nicht leicht zu verstehen. Die nächste Märchenvorlesestunde findet am Dienstag, 12. Juni, 19.30 Uhr, ebenfalls im „Haus der Begegnung“ statt. Der Eintritt ist frei.

Bericht und Bild: Straubinger Tagblatt, 18.5.18, erö

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