| Die „Seligenthaler Bauern“ Der einstige Grundbesitz des Klosters Seligenthal in Landshut am Hohenbogen |
|
|
| Heimatgeschichte - Geschichte des Bayer. Waldes |
| Geschrieben von: Dr. Hans Aschenbrenner |
| Freitag, den 23. Juli 2010 um 14:29 Uhr |
|
Aus der Geschichte des Bayerischen Waldes : Die „Seligenthaler Bauern“ : Der einstige Grundbesitz des Klosters Seligenthal in Landshut am Hohenbogen
Der Bayerische Wald war im ersten nachchristlichen Jahrtausend nur wenig bewohnt. Erste Besiedlungen leiteten vor allem die Klöster an der Donau von St. Emmeram in Regensburg bis Passau ein.
Während von Regensburg aus die Erschließung entlang des Regens wahrscheinlich schon im 6. bis 8. Jahrhundert einsetzte, drangen Mönche und Bauern erst im 10. Und 11. Jahrhundert in den Urwald nördlich der Donau vor. ![]() Das bedeutendste Kloster für die Erschließung des Bayerischen Waldes war Niederaltaich. Neben den Klöstern beteiligten sich aber auch adelige Familien an der Erschließung der zunächst menschenfeindlichen, sumpfigen und kaum begehbaren Wälder. Die mächtigsten waren die Grafen von Bogen, damals ein weithin anerkanntes Herrschergeschlecht in Bayern und Besitzer großer Ländereien vom Donaugau bis zur böhmischen Grenze (Hohenbogen, Osser). Durch gute Beziehungen zu den Böhmenherzögen erheirateten die Bogener auch weite Gebiete im Böhmerwald um das heutige Schüttenhofen bis zur Burg Rabi, die sie zur Sicherung ihrer Macht am nördlichsten Punkt ihres Herrschaftsgebietes wahrscheinlich bauen ließen. Die Grafen von Bogen bestimmten eineinhalb Jahrhunderte die Geschichte in unserem Raum mit ihren Dienstmannen und leibeigenen Bauern. Im Hohenbogenwinkel hatten die Bogener wahrscheinlich schon im 11. Jahrhundert Grundbesitz. Graf Albert III. erbaute um 1190 auf dem Hohenbogen, in Lichteneck und wahrscheinlich auch auf dem Osser eine Burg zur Sicherung und Demonstration seines Herrschaftsbereiches auch gegenüber den Markgrafen von Cham, die mit Eschlkam, Neukirchen b. Hl. Bl. und dem Burgstall auf dem Haidstein seine unmittelbaren Nachbarn waren. Als Graf Albert III. schon mit 33 Jahren 1198 verstarb, wurde der Burgenbau eingestellt. Der Name „Hohenbogen“ ist nach Ludwig Baumann zu verstehen als die höher gelegene Burg der Bogener (im Gegensatz zu der niederen Burg bei Bogen).
![]() Ludmilla von Böhmen Die Witwe Graf Alberts, Ludmilla, heiratete in zweiter Ehe 1204 Herzog Ludwig I. von Bayern (den Kelheimer), einen ehemaligen Feind ihres ersten Gatten. Diesem gebar sie als einziges Kind den späteren Herzog Otto II., den Erlauchten, und wurde dadurch zur Stammmutter aller in Folge regierenden Linien des Hauses Wittelsbach. Nachdem ihr erster Sohn Albert IV. von Bogen 1242 ohne Erben gestorben war, ging die Grafschaft Bogen (mit deren weiß-blauem Rautenwappen) an seinen Halbbruder Otto über und verblieb von da an in der Hand der Wittelsbacher.
Die Hofmark Schwarzenberg Verwaltet wurden die Walddörfer ab dem ausgehenden 16. Jahrhundert von einer eigenen „Hofmark Schwarzenberg“; das bedeutet, alle Inwohner unterstanden dem Hofmarksherrn, also dem Kloster Seligenthal mit einem Klosterrichter an der Spitze, der auch die niedere Gerichtsbarkeit ausübte. Er hatte für die Ordnung in den Dörfern zu sorgen und musste sich um die Abgaben der Bauern an das Kloster kümmern. Der Hofmarksinhaber war also Grund-, Schutz-, Gerichts- und Polizeiherr. Sitz der Verwaltung war das Wirtshaus (Utz) in Schwarzenberg, wo der Richter auch wohnte. Anders als die leibeigenen Bauern der damaligen Grundherrn, an die sie Abgaben zahlen und für die sie Frondienste leisten mussten, waren die „Seligenthaler Bauern“ frei, sie fühlten sich wohl und hatten eine gute Existenz, sie konnten heiraten und einen Beruf wählen, ihren Grund verkaufen oder tauschen, ohne das Kloster vorher zu befragen. Die Besitzungen am Fuße des Hohenbogen sind bis zur Säkularisation im Jahre 1803 in seligenthaler Obhut geblieben. Dann wurden die klösterlichen Hofmarken aufgelöst und die „Seligenthaler Bauern“ wurden Untertanen des Kurfürstentum Bayern und sind bis heute Besitzer ihrer stattlichen Höfe. Das Kloster Seligenthal in Landshut hat heute nur noch das Klostergebäude, die Kirche und den Garten, es hat keinen Grundbesitz mehr. Das Gebiet der „Seligenthaler Bauern“ wurde später die Gemeinde Schwarzenberg.
Quellen: W. Perlinger (2009):"Neukirchen b. Hl. Bl. und seine herrschaftliche Zugehörigkeit im Hochmittelalter"; Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham Bd.26; Tomáš Durdik: , "Die Burg Rabi" Verlag Glorit, Libice.
Bericht und Bilder : Dr. Hans Aschenbrenner |









Ludmilla war die Tochter des späteren Königs Friedrich von Böhmen und bekam als Heiratsgut weite Ländereien um Schüttenhofen, der heutigen Patenstadt von Bad Kötzting. 1232, ein Jahr nach der Ermordung ihres zweiten Ehemannes (Ludwig d. Kehlheimer), stiftete Ludmilla unweit der damaligen Residenzstadt Landshut das „Cisterzienserinnenkloster Seligenthal“, als Grabstätte für ihre beiden verstorbenen Ehemänner und Söhne. Als erste Grundausstattung übergab sie dem neuen Kloster „…fünf vor dem Böhmerwald gelegene Siedlungen: Swarzenberch, Zlemminge, Viezur superior, Viezur inferior et Rizenride“ (Schwarzenberg, Leming, Ober- und Unterfaustern sowie Ritzenried). Die Herkunft dieser Orte bezeichnet die Herzogin in einer Urkunde als Heiratsausstattung, die sie in die Ehe mit Albert III. mitbrachte. Nach längeren Streitigkeiten zwischen Wittelsbachern und Přemysliden fiel das Gebiet um Schüttenhofen 1273 wieder an Böhmen zurück; nicht aber die fünf „Walddörfer“, wie sie später immer wieder bezeichnet wurden; sie sind in die Grundherrschaft von Kloster Seligenthal übergegangen. Es stellt sich nun die Frage, wie dieses Gebiet am Nordwestrand des Hohenbogen mitten im bayerischen Siedlungsraum in böhmischen Besitz gelangen konnte. Pater Epiktet Ketterer von Neukirchen b. Hl.Bl. vermutet, dass diese fünf Dörfer zum Heiratsgut von Luitgart gehörten, einer Tochter des Grafen Aschwin von Bogen, die 1094 den Böhmenherzog Břetislav II. (1092-1100) geheiratet hatte. Es ist wahrscheinlich, dass damals schon Güter oder Höfe hier vorhanden waren; denn ein unerschlossenes Waldgebiet hat damals keinerlei Erträge abgeworfen. Ludmilla hat sich immer diese „Walddörfer“ aus ihrem Vatergut zur eigenen Verfügung vorbehalten und schließlich dem Kloster Seligenthal geschenkt. Dort lebte die Herzoginwitwe bis zu Ihrem Tode am 5. August 1240. Im Stiftungsbrief wurde vermerkt, dass die Inwohner besagter Güter außer einigen Abgaben niemandem Steuern und Dienste für alle Zeiten zu leisten hatten. Außerdem bestimmte Ludmilla, dass diese Ortschaften von weiteren Forderungen und Dienstbarkeiten anderer Herrschaften befreit und ihr Sohn Otto II. und seine Nachkommen ihre Beschützer und Richter sein sollen.